Vortrag von Dr. Sergej Kudrjaschow
(Deutsches
Historisches Institut Moskau)
Der Vorabend und
der Beginn des Großen Vaterländischen Krieges
– Wirklichkeit, Wahrnehmung und
Wertung in Russland
Der
Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941
und der
danach fast vier Jahre dauernde Krieg wurden zum
größten bewaffneten Konflikt
in der Menschheitsgeschichte. Nie zuvor überfiel eine
Dreimillionen-Armee ihren
Gegner. Die Gesamtfront der Gefechtshandlungen betrug im Sommer 1941
über 1000
Kilometer. Faktisch kämpften 46 Monate an der Ostfront von
beiden Seiten ständig
acht bis neun Millionen Menschen gegeneinander. In den Jahren des
Krieges
wurden etwa 32 Millionen Menschen eingezogen, von denen ca. 40 Prozent
fielen.
Beispiellos war
nicht nur die Größe des Konfliktes, sondern auch die
außerordentliche Grausamkeit der Kampfhandlungen. Am 30.
März 1941 sagte Hitler
zu seinen Generalen, dass der bevorstehende Krieg kein
gewöhnlicher Krieg sein
werde. „Das wird ein Kampf von zwei Weltanschauungen
gegeneinander sein. Wir
müssen uns verabschieden von dem Standpunkt des soldatischen
Kameradentums...
Ein Kommunist ist vorher kein Kamerad und nachher kein Kamerad. Es
handelt sich
um einen Vernichtungskampf.“ Die Realisierung des
faschistischen Rassenhasses
führte zu massenhaften Verlusten nicht nur unter den Soldaten,
sondern auch
unter der zivilen Bevölkerung. Die Gesamtverluste der UdSSR
sind bis heute
Gegenstand heftigen Streits, aber bei den verschiedenen
Einschätzungen der
Verluste unter der Zivilbevölkerung differieren die Zahlen
zwischen 14 und 18
Millionen Menschenleben, die Gesamtverluste zwischen 26 bis 32
Millionen.
Bezogen auf die Kriegsdauer fielen jeden Tag etwa Zwanzigtausend. Hinzu
kommen -zig
Millionen Verwundete und Invaliden, der Verlust von Verwandten.
Insgesamt ist
festzustellen, dass der Krieg direkt oder indirekt jede sowjetische
Familie
traf. Die Höhe des wirtschaftlichen Verlustes während
der Kriegsjahre betrug
das 20-fache des Nationaleinkommens im Jahre 1940, d. h. die UdSSR
verlor etwa
30 Prozent ihres nationalen Reichtums. Es ist zu verstehen, dass diese
Verluste
sich nicht nur für immer im Gedächtnis der Nation
eingegraben haben, sondern
auch in hohem Maße die historischen Interpretationen
beeinflussten und bis
heute beeinflussen.
Vorsätzlich wurde von den ehemaligen Machthabern der Ukraine
die Geschichte
des Krieges in nationalistischer Manier umgedeutet. Das wird begleitet
von der Errichtung
verschiedener Monumente zu Ehren der ukrainischen Nationalisten. Dieser
Prozess
verlangsamt sich allerdings wesentlich unter der gegenwärtigen
Führung der
Ukraine.
Aus diesem Grunde
waren seine Rede sowie weitere Äußerungen in der
Form von
Toasts am 5. Mai 1941 außerordentlich bezeichnend formuliert.
Allein der
Empfang für die Absolventen der Militärakademien
wurde mit großer Geheimhaltung
inszeniert, als ob beabsichtigt wäre, möglichst viel
Aufmerksamkeit zu erregen
und die Wichtigkeit dieser Maßnahme zu unterstreichen. Die
Erklärungen Stalins
waren nicht für eine weitergehende Veröffentlichung
in der Presse bestimmt.
Gleichzeitig konnten sie kein großes Geheimnis bleiben, weil
an dieser
Veranstaltung Absolventen von 16 Militärakademien und 9
Militärfakultäten
teilnahmen und einen Kreis von mehreren Hundert Zuhörern
bildeten. Es entsteht
der Eindruck, dass die Zuhörer direkt dazu aufgefordert
wurden, nicht darüber
zu schweigen, sondern das Wesentliche dieser Reden in den Truppenteilen
zu
verbreiten.
Bei Betrachtung
der in mündlicher und schriftlicher Form erhaltenen
Informationen verglich Stalin in seiner 40-minütigen Rede die
Vorzüge und
Nachteile der Armeen beider Länder, wobei er betonte, dass die
Rote Armee in
keiner Weise mehr hinter der Wehrmacht zurücksteht. Er deutete
unmissverständlich an, dass das faschistische Deutschland
gegen die Sowjetunion
aggressive Absichten hegt und dass der Krieg unvermeidlich
heranrückt. Es könne
allerdings mit etwas Glück der Beginn des Krieges noch etwas
hinausgezögert
werden, aber die Rote Armee sei stärker geworden. Sie sei in
der Lage, von der
Verteidigung zur Offensive überzugehen und sie müsse
in diesem Sinne erzogen
werden. Die Rede war erstaunlich offen. Die Umgebung Stalins verstand
den Sinn
der Rede darin, den Militärangehörigen Zutrauen in
die eigenen Kräfte zu
vermitteln.
Über die
Ziele dieses „Spektakels“ kann man nur Vermutungen
anstellen. Die
Erörterungen Stalins waren wahrscheinlich auch an die deutsche
Regierung
gerichtet, die ein zusätzliches Signal erhalten sollte.
Botschafter Schulenburg
interpretierte dieses Ereignis gleich als Bestreben, die Beziehungen zu
Deutschland zu verbessern. Der Botschafter übermittelte nach
Berlin seine
Überzeugung, dass Stalin danach strebe, „die
Sowjetunion vor einem Konflikt mit
Deutschland zu bewahren“.
Jedenfalls erwartete man in Moskau bis zu dem Kriegsausbruch derartige
Forderungen. Von Bedeutung ist, dass diese Überzeugungen nicht
nur auf
Gerüchten und Vermutungen fußten, sondern auch vom
Verhalten des deutschen
Botschafters genährt wurden. Er handelte aus eigener
Initiative, um einen
sowjetisch-deutschen Konflikt zu verhindern. Die Information
Schulenburgs hatte
für Stalin, wie neu zugängliche Dokumente zeigen,
eine prinzipielle Bedeutung.
Infolgedessen hätte Hitler, so waren die Worte des
Botschafters, den
Eindruck gewonnen, dass Moskau danach strebe, die Verwirklichung der
existenziellen
Interessen Deutschlands zu behindern und dem Streben Deutschlands nach
einem
Sieg über England entgegenzuwirken. Aus diesem Grund
wäre Deutschland, so
Hitler wörtlich, gezwungen, Sicherungsmaßnahmen an
seiner Ostgrenze zu
ergreifen. Schulenburg sagte, dass in Berlin und überhaupt in
Deutschland in
der letzten Zeit zunehmend Gerüchte über einen Krieg
der Sowjetunion gegen
Deutschland Verbreitung fänden. Schulenburg sagte
über sich, dass er immer nach
freundschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern
gestrebt habe. Er sähe
deshalb seine Aufgabe darin, diesen Gerüchten
entgegenzuwirken. In den
Aufzeichnungen Dekanosows wird erwähnt, dass sich Hilger
dieser Feststellung anschloss,
obwohl er während des gesamten Gesprächs Schulenburg
korrigierte und ergänzte, wiewohl
er „offensichtlich die Weisungen Berlins besser verstanden
habe“. Hilger führte
aus, man müsse etwas unternehmen, um diese Gerüchte
zu zerstreuen. Schulenburg
wiederholte ebenfalls den Gedanken, dass etwas unternommen werden
müsse, um die
Gerüchte zu zerstreuen, denn diese müssten
„als Faktum Berücksichtigung
finden“. In Anbetracht der Unaufschiebbarkeit des Problems
bestand Schulenburg
auf einem weiteren Treffen.
Dieses Treffen fand am 9. Mai im sowjetischen Ministerium für
Auswärtige
Angelegenheiten statt, aber bereits ohne Hilger. Erneut ging es in dem
Gespräch
über die in der letzten Zeit aufgetauchten
sowjetisch-deutschen Widersprüche
sowie um die Kriegsgerüchte. Dekanosow schlug als
mögliche Handlung die
Abfassung eines gemeinsamen Kommuniques vor, in dem derartige
Gerüchte als
unbegründet zurückgewiesen würden.
Schulenburg, der keinerlei Vollmachten
hierfür besaß, hielt es für wichtig, dass
die Initiative von Stalin ausginge.
Er machte deshalb einen Gegenvorschlag. Stalin könne sich doch
in Verbindung
mit seiner Ernennung zum Vorsitzenden der sowjetischen Regierung mit
Briefen an
die Vorsitzenden der Regierungen mehrerer mit der UdSSR befreundeter
Länder
wenden und in seinem Brief an Hitler ein gemeinsames
deutsch-sowjetisches
Kommunique vorschlagen. In Anbetracht der gebotenen großen
Eile könne dem Brief
bereits ein Entwurf mit dem ungefähren Inhalt des Kommuniques
beigelegt werden.
Bei seinem Weggang bat Schulenburg darum, seinen Vorschlag Molotow zu
Kenntnis
zu bringen und das Gespräch am nächsten oder
übernächsten Tag weiterzuführen.
Dekanosow versprach Schulenburg, ihn zur Abstimmung der Zeit des
nächsten
Treffens anzurufen. Dieses fand am 12. Mai 1941 erneut in Anwesenheit
von
Hilger statt.
Stalin und
Molotow reagierten nicht auf diese Demarche (diplomatischer Akt der
Wahrung – evtl. bedrohter – Interessen –
d. Übers.). Die Initiative von
Schulenburg und Hilger (er erhob im Weiteren Anspruch darauf, Initiator
dieser
Aktion gewesen zu sein) wurde als eine „Warnung“
gegenüber der Sowjetregierung
aufgefasst, Deutschland plane einen Angriff. Heute lässt sich
recht leicht
erklären, weshalb Stalin und Molotow nicht reagierten: An dem
Tag, an dem
Dekanosow im Auftrag von Stalin und Molotow Schulenburg anbot, die Idee
eines
Austauschs von Briefen mit einem gemeinsamen Kommunique zu beraten,
erschienen
in England erste Meldungen über die Landung von Hess in
Schottland. Am
darauffolgenden Tag erhielt Stalin praktisch gleichzeitig das Protokoll
des
Gespräches von Dekanosow mit Schulenburg zusammen mit der
Nachricht über die
Landung von Hess in England. Dieser geheimnisvolle Flug vom 10. Mai
1941 rief
in Moskau größte Befürchtungen hervor.
Über diese Aktion wurden in der ganzen
Welt Vermutungen angestellt und auch Moskau machte keine Ausnahme.
Erneut tauchte
das Gespenst einer Annäherung zwischen Deutschland und England
auf, die von
Stalin sehr befürchtet wurde. Kennzeichnend ist die einzige
Rotstiftunterstreichung von ihm eines einzigen Satzes, in dem
Schulenburg ohne
jeglichen Hintergedanken die Vermutung formulierte, dass in kurzer Zeit
Deutschland und England wahrscheinlich zu einer Übereinkunft
gelangen werden.
Zusammenfassend
kann man feststellen, dass der
Überfall des faschistischen Deutschen Reiches am 22. Juni
21941 und der Krieg
gegen die Sowjetunion in der Überzahl der Darstellungen in der
Bundesrepublik
unter dem Gesichtspunkt der Totalitarismus-Doktrin behandelt wird.
Damit werden
Deutschland und die Sowjetunion im wesentlichen auf die gleiche Ebene
gestellt
und die Niederlage Deutschlands 1945 und das Ende der Sowjetunion
gleichermaßen
in der Geschichte gerechtfertigt angesehen.
[1] Müller, Rolf-Dieter; Ueberschär, Gerd R.: Hitlers Krieg im Osten 1941-1945 : Ein Forschungsbericht. - Darmstadt : Wiss. Buchges., 2000. - XII, 451 S.
[2] Wette, Wolfram: Die Wehrmacht : Feindbilder, Vernichtungskrieg, Legenden. - Frankfurt/M. : Fischer, 2002. - 376 S.
[3] Müller, Rolf-Dieter: Der Feind steht im Osten. Hitlers geheime Pläne für einen Krieg gegen die Sowjetunion im Jahr 1939. – Berlin Ch. Links Verlag 2011 (Mai). - ca. 300 Seiten;
Hartmann, Christian Unternehmen Barbarossa.Der deutsche Krieg im Osten 1941-1945 (Beck`sche Reihe: bsr - C.H. Beck Wissen;2714) München: C.H.Beck 2011, 128 S.: mit 5 Karten und 6 Bildern
[4] Rolf-Dieter Müller: An der Seite der Wehrmacht. Hitlers ausländische Helfer beim „Kreuzzug gegen den Bolschewismus“ 1941-1945 (Berlin 2007), S.8.
[5] Christian Hartmann / Johannes Hürter / Ulrike Jureit (Hg.): Verbrechen der Wehrmacht. Bilanz einer Debatte. Mit einem Vorwort von Jan Philipp Reemtsma und Horst Möller (= beck'sche reihe; 1632), München: C.H.Beck 2005, 230 S.,
Der deutsche Krieg im Osten 1941 - 1944 : Facetten einer Grenzüberschreitung / Hrsg. von Christian Hartmann .. - München : Oldenbourg, 2009. - IX, 404 S. : Ill., Kt., Tab. - (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte ; 76).
Als Beispiel einer Einzelstudie: Curilla, Wolfgang: Die deutsche Ordnungspolizei und der Holocaust im Baltikum und in Weißrußland 1941 - 1944 Paderborn [u.a.] : Schöningh, 2006. - 1041 S.
[6] Hartmann, Christian: Halder, Generalstabschef Hitlers 1938 - 1942 2., erw. u. aktualisierte Aufl.. . - Paderborn [u.a.] : Schöningh, 2010. - 439 S. -
Hürter, Johannes: Hitlers
Heerführer : Die deutschen
Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. -
München :
Oldenbourg, 2006. - VI, 719 S. : Ill., Kt. - (Quellen
und Darstellungen
zur Zeitgeschichte ; 66 Zugl.:
Mainz, Habil.schr., 2006
Wrochem, Oliver von: Erich von
Manstein : Vernichtungskrieg
und Geschichtspolitik. - Paderborn [u.a.] :
Schöningh, 2006. - 431
S. - (Krieg in der Geschichte ; 27). Zugl.:
Hamburg, Diss., 2005;
Hartmann, Christian: Wehrmacht im
Ostkrieg : Front und
militärisches Hinterland, 1941/42 - München
: Oldenbourg, 2009. - VI,
928 S. : Ill., Tab. - (Quellen und Darstellungen zur
Zeitgeschichte ; 75).
Hasenclever, Jörn:
Wehrmacht und Besatzungspolitik in
der Sowjetunion : Die Befehlshaber der rückwärtigen
Heeresgebiete ; 1941 -
1943 / Jörn Hasenclever. - Paderborn [u.a.]
: Schöningh, 2010. -
613 S. : Kt. - (Krieg in der Geschichte ; 48).
Zugl.:
Münster, Univ., Diss., 2007
u.d.T.: Hasenclever, Jörn: Gescheitertes Provisorium
Pohl, Dieter: Die Herrschaft der Wehrmacht : Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion ; 1941 - 1944 / Dieter Pohl 2. Aufl.. . - München : Oldenbourg, 2009. - VII, 399 S. : Ill. - (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte ; 71). - ISBN 978-3-486-59174-3 Zugl.: München, Univ., Habil-Schr., 2007. 1. Aufl. 2008
[7]
Ganzenmüller,
Jörg: Das belagerte Leningrad 1941 - 1944 : Die Stadt in
den Strategien von Angreifern und Verteidigern. - Paderborn
[u.a.] :
Schöningh, 2005. - X, 412 S. - (Krieg in
der Geschichte ; 22).
Zugl.: Freiburg, Diss., 2003
[8] Arnold, Klaus Jochen: Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion : Kriegführung und Radikalisierung im "Unternehmen Barbarossa". - Berlin : Duncker & Humblot, 2005. - 579 S. - (Zeitgeschichtliche Forschungen ; 23). Zugl.: Münster, Diss., 2002
[9]
Kunz, Norbert: Die Krim unter deutscher Herrschaft (1941 - 1944):
Germanisierungsutopie und Besatzungsrealität
Darmstadt :
Wiss. Buchges., 2005. - 448 S.
Zugl.: Mainz,
gekürzte Diss., 2003
Stein, Marcel:
Der Januskopf :
Feldmarschall von Manstein ; Eine Neubewertung
Bissendorf :
Biblio-Verl., 2004. - XI, 504 S.
Wrochem, Oliver
von: Erich von Manstein :
Vernichtungskrieg und Geschichtspolitik. - Paderborn [u.a.] :
Schöningh,
2006. - 431 S. - (Krieg in der Geschichte ; 27). Zugl.: Hamburg,
Diss., 2005
In diesem Zusammenhang sei daran Erinnert, dass Mansteins verlogenen Erinnerungen unter dem Titel „Verlorene Siege“ 2009 in der 18. Auflage erschienen.
[10] Römer, Felix: Der Kommissarbefehl : Wehrmacht und NS-Verbrechen an der Ostfront 1941/42 / Felix Römer. - Paderborn [u.a.] : Schöningh, 2008. - 666 S. Zugl.: Kiel, Diss., 2007, S. 13
[11] Ebenda, S. 562ff.
[12] Musial, Bogdan: Kampfplatz Deutschland. Stalins Kriegspläne gegen den Westen. Berlin: Propyläen 2008. 586 Seiten.
[13] Musial, Bogdan: Sowjetische Partisanen in Weißrußland : Innenansichten aus dem Gebiet Baranoviči 1941 - 1944 / Hrsg. u. eingel. von Bogdan Musial. - München : Oldenbourg, 2004. - 271 S. - (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte ; 88).
Musial, Bogdan: Sowjetische Partisanen, 1941 - 1944 : Mythos und Wirklichkeit. - Paderborn [u.a.] : Schöningh, 2009. - 592 S.
[14] Ebenda, S.13, S.437ff. Dem Buch vorausgegangen ist vom selben Autor eine Studie mit Dokumenten: Musial, Bogdan: Sowjetische Partisanen in Weißrußland : Innenansichten aus dem Gebiet Baranoviči 1941 - 1944 / Hrsg. u. eingel. von Bogdan Musial. - München : Oldenbourg, 2004. - 271 S. - (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte ; 88).
[15]
Chiari, Bernhard: Zwischen
Hoffnung und Hunger : Die sowjetische
Zivilbevölkerung unter deutscher Besatzung. - In:
Verbrechen der Wehrmacht
: Bilanz einer Debatte / Hrsg.: Hartmann, Christian. -
München, 2005. - S.
145-154. Die Ausführungen des führenden
Militärhistorikers des MGFA beruhen auf
seiner Dissertation: Chiari, Bernhard: Alltag hinter der Front :
Kollaboration und
Widerstand in Weißrußland, 1941-1944. -
Düsseldorf : Droste, 1998. -
XIII, 380 S. : Ill., Kt. - (Schriften des Bundesarchivs
Koblenz ; 53)
Zugl.: Tübingen, Diss.,
1997
Brakel, Alexander: Unter Rotem Stern und Hakenkreuz : Baranowicze 1939 bis 1944 ; Das westliche Weißrussland unter sowjetischer und deutscher Besatzung. Paderborn [u.a.] : Schöningh, 2009. - XII, 426 S. : Ill., Kt., Tab. Zugl.: Mainz, Diss., 2006
[16] Seine eigene Sicht hat Müller hier dargelegt: Müller, Rolf-Dieter: "Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg" : Konzeption und Erfahrungen eines wissenschaftlichen Großprojektes. - In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft ; 56(2008)4. - S. 301-326. Dort schreibt er, dass einer der wesentlichen Antriebe für dieses Projekt die Gegenwirkung gegen die „marxistisch-leninistische“ Arbeit „Deutschland im Zweiten Weltkrieg“ war. Der erste Band erschien 1979, der letzte 2008.
[17]
Gebhardt : Handbuch der
deutschen
Geschichte / Hrsg. von Wolfgang Benz. - 10.,
völlig neu bearb. Aufl..
Stuttgart : Klett-Cotta, . Bd. 21.
Müller, Rolf-Dieter: Der
Zweite Weltkrieg 1939 - 1945 / 2004. - XXXIX, 461 S.
Müller, Rolf-Dieter: Der letzte deutsche Krieg, 1939 - 1945. - Stuttgart : Klett-Cotta, 2005. - 415 S. Müller erläutert zu dem Titel, dass Deutschland künftig nur noch an Kriegen in einer Koalition teilnehmen würde.
[18] Rolf-Dieter Müller: Der letzte deutsche Krieg 1939 – 1945, S. 17
[19] Gebhardt : Handbuch der deutschen Geschichte / Hrsg. von Wolfgang Benz 10., völlig neu bearb. Aufl.. . - Stuttgart : Klett-Cotta, Bd. 21. Müller, Rolf-Dieter: Der Zweite Weltkrieg 1939 - 1945 / 2004, S. 124ff.
[20] Rolf-Dieter Müller: Der letzte deutsche Krieg 1939 – 1945, S. 76, 17.
[21]
Spiegel 15/2008, S. 52:
„Müller: Seit einiger
Zeit ist eine größere Offenheit in der deutschen
Opferperspektive zu
beobachten. Dabei ist das Ausmaß der Verbrechen der Roten
Armee an der
Zivilbevölkerung gar nicht mehr strittig.
SPIEGEL: Wir finden
also bei Ihnen darüber keine neuen Erkenntnisse?
Müller: Doch. Wir legen eine neue Schätzung der Zahl der Zivilisten vor, die von der Roten Armee beim Vormarsch bis Kriegsende ermordet wurden. Sie beläuft sich auf etwa 120 000 Menschen.“
[22]Rolf-Dieter Müller: Der letzte deutsche Krieg 1939 – 1945, S. 18
[23] Bonwetsch, Bernd: Die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg 1941 bis 1945 : Der "Große Vaterländische Krieg". - In: Jahrbuch für historische Kommunismusforschung (2005). - S. 13-80; besonders S. 19,
[24] Morré, Jörg: Der Große Vaterländische Krieg. Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Russland. In: Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung Heft 1 2011, S. 13 – 17, besonders S. 17
[25] Siehe: Iber, Walter M.; Ruggenthaler, Peter: Drei Besatzungen unter zwei Diktaturen. Eine vorläufige Bilanz der Forschungsarbeiten der Internationalen Historikerkommissionen in Lettland, Litauen und Estland, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung (2007), S. 276-296
Vortrag von Martin Seckendorf
Imperialistischer
Eroberungskrieg. Gedanken zum 70.
Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion
Am 22. Juni 1941 zwischen 3.00 und 3.30 Uhr fiel
Deutschland ohne Kriegserklärung und angesichts eines seit
1939 bestehenden
Nichtangriffsvertrages wortbrüchig über die
Sowjetunion her. An der riesigen
Front zwischen Eismeer und Schwarzem Meer entbrannten in den folgenden
Jahren
die größten und blutigsten Schlachten des Krieges,
entschied sich das Schicksal
vieler Staaten und Völker.
Die Naziführung maß dem
Überfall ebenfalls
diese Bedeutung bei. Hitler betonte am 9. Januar 1941in einem
Gespräch mit der
Generalität, wenn der Überfall beginne, werde
„Europa den Atem anhalten.“[1]
Am 3.
Februar 1941 meinte er gar, „ die Welt“ werde bei
Beginn des Angriffs „den Atem
anhalten“.[2]
Die in
Berlin erscheinende „Zeitschrift für
Politik“ bewertete im Dezember 1941
rückblickend den Entschluß zum Überfall auf
die Sowjetunion als die
„Zentralentscheidung“ des gesamtem Krieges.[3]
Für den Überfall formierte
Deutschland die
größte Streitmacht der Weltgeschichte. Es wurden
mehr als 70 Prozent des
deutschen Heeres, darunter 19 der 20 vorhandenen Panzer- und alle 14
motorisierten
Divisionen aufgeboten. Insgesamt waren am 22. Juni 1941 mehr als 3
Millionen
Soldaten, 600000 Kraftfahrzeuge, etwa 3600 Panzer, mehr als 3900
Flugzeuge und
620000 Pferde bereitgestellt.[4]
Den
deutschen Verbänden folgten starke finnische, slowakische,
ungarische und
rumänische Militärkontingente im Umfang von mehr als
600 000 Soldaten.
Die Hauptkräfte des deutschen Heeres waren
in drei strategische Großverbände, Heeresgruppen
genannt, gegliedert. Die
Heeresgruppe Nord sollte in Richtung baltische Sowjetrepubliken gegen
Leningrad
vorgehen. Der stärkste Verband, die
Heeresgruppe Mitte, hatte den Auftrag, in Richtung
Minsk-Smolensk mit
dem Endziel Moskau anzugreifen. Gegen die Ukraine mit den Etappenzielen
Kiev
und Rostow, dem Tor zum kaukasischen Ölgebiet, wurde die
Heeresgruppe Süd
angesetzt.
Für die militärische Realisierung
ihrer weit
gespannten Ostpläne entwickelte die deutsche Führung
spätestens seit der
Unterwerfung der Tschechoslowakei im März 1939 recht konkrete
Vorstellungen.
Dabei beschäftigte sie sich hauptsächlich mit zwei
Problemen. Einmal ging es
darum, eine ausreichend lange gemeinsame Landgrenze mit der Sowjetunion
zu
erreichen als geografische Grundvoraussetzung eines großen
Krieges gegen die
UdSSR. Zum anderen wollte man einen Zweifrontenkrieg vermeiden. Deshalb
mußte
die deutsche Haltung zu Großbritannien und Frankreich,
festgelegt werden.
Zusammengefaßt wurden diese Probleme auf einer Beratung
Hitlers mit der
militärischen Führung am 23. Mai 1939
erörtert.[8]
Die
Konferenz war zugleich das Ergebnis der sich seit Oktober 1938
abzeichnenden
dramatischen Veränderungen im deutsch-polnischen
Verhältnis. Bis dahin hatten
die Nazis auf der Grundlage des Nichtangriffsvertrages von 1934
versucht, Polen
als Verbündeten für einen Krieg gegen die Sowjetunion
zu gewinnen. Als sich
Polen weigerte, als Juniorpartner des Hitlerregimes aufzutreten,
beschlossen
die deutschen Führer, das „Problem“
gewaltsam zu lösen. Durch die Unterwerfung
Polens sollte nicht nur der „Lebensraum“ nach Osten
ausgedehnt, sondern auch
eine lange Landgrenze zur Sowjetunion erreicht werden.[9]
Deshalb
sei Polen, heißt es im Protokoll der Beratung vom 23. Mai
1939 „bei erster passender
Gelegenheit anzugreifen“. Gleichzeitig wurde festgestellt,
dass es nicht nur um
Polen, sondern auch um die Unterwerfung der baltischen Staaten geht.
Damit wäre
die lange gemeinsame Landgrenze mit der UdSSR geschaffen. Die Wehrmacht
stünde
wenige Kilometer vor Leningrad. Außerdem wurde
bekräftigt, Großbritannien und
Frankreich bei dem Überfall auf Polen „aus dem
Spiel“ zu halten. Sollte dies
nicht gelingen, wollte man Polen und die Westgegner gleichzeitig
angreifen.
Frankreich sowie die neutralen Staaten Holland und Belgien sollten
besetzt und
Großbritannien vom Festland vertrieben werden. Damit, mit der
„Besetzung der
Gegenküsten“, wäre das vereinigte
Königreich nicht in der Lage, auf dem
Kontinent zu kämpfen, man hätte bei einer
„Weiterentwicklung im Osten“, wie
Hitler im Oktober 1939 den vorgesehenen Überfall auf die
Sowjetunion umschrieb,
keinen Zweifrontenkrieg zu befürchten. Mitte August 1939
bekräftigte Hitler in
einem Gespräch mit dem italienischen Außenminister
Galeazzo Ciano den
militärischen Stufenplan. Deutschland werde den
„alten Germanenweg“ nach Osten
beschreiten. Zu den Expansionsopfern gehörten Polen, die
Ostseeanrainer und
dann die UdSSR. Der große Marsch gegen Sowjetunion beginne
mit einem Sieg über
Polen und danach über den Westen.[10]
Von erheblicher Bedeutung für den
Zeitpunkt,
an dem die konkrete Entscheidung, der militärische
Entschluß zum Angriff auf
die SU getroffen wurde, war die Lage im Juni 1940.[11].In
einer Denkschrift an den Oberbefehlshaber des Heeres, Walther von
Brauchitsch,
und den Generalstabschef des Heeres, Franz Halder, vom 9. Oktober 1939
hatte
Hitler gefordert, die vorgesehenen Operationen gegen Westeuropa
müßten die
militärische Ausschaltung der Westgegner in einem
Ausmaß bringen, dass sie sich
einer möglichen deutschen
„Weiterentwicklung“ nach Osten nicht mehr
entgegenstellen könnten.[12]
Gegenüber
Großbritannien genüge es nach Meinung der deutschen
Führung, die „europäischen
Gegenküsten“ zu besetzen und das vereinigte
Königreich militärisch „unter
Druck“ zu halten. Man spekulierte lange Zeit darauf, mit
Großbritannien zu
einem Übereinkommen zu gelangen. Hasso von Etzdorf, Vertreter
des Auswärtigen
Amtes beim Oberkommando des Heeres, informierte Generalstabschef Franz
Halder
über die Pläne der deutschen Führung: Man
suche Kontakt zu Großbritannien, um
mit dem Vereinigten Königreich zu einem Übereinkommen
„ auf der Basis Teilung
der Welt“ zu kommen[13]
Sein
Vorgesetzter, Staatssekretär Erst von Weizsäcker,
meinte zwei Tage später,: „Es
wird darauf hinauskommen, dass wir den Engländern anbieten
werden, mit einem
blauen Auge sich vom europäischen Festland definitiv zu
entfernen und dies uns
zu überlassen.“[14]
Am 30. Juni 1940, als die militärischen Vorbereitungen
für den Krieg gegen die
Sowjetunion angelaufen waren, Großbritannien aber
„hartnäckig“ blieb, notierte Halder
in seinem Tagebuch, das Land werde „voraussichtlich noch
einer Demonstration
unserer militärischen Gewalt bedürfen, ehe es
nachgibt und uns den Rücken frei
läßt für den Osten.“[15]
Zwischen April und Juni 1940 hatte die
Wehrmacht Norwegen, Dänemark, die Benelux-Staaten und
Frankreich unterworfen
sowie die britischen Truppen vom Festland vertrieben. Der
„Blitzsieg“ der Wehrmacht
in Westeuropa hatte vielfältige Auswirkungen. Zwei
für unser Thema wichtige
Folgen sollen angesprochen werden.
Die
deutsche Führung glaubte, dass sie nach den Siegen in
Westeuropa den Rücken
frei habe, um die seit langem anvisierten Ziele im Osten in Angriff
nehmen zu können.[16]
Großbritannien,
das sich bisher allen Drohungen und Lockungen widersetzt hatte und mit
den USA
im Rücken weiterkämpfen wollte, sei, so das
Kalkül der deutschen Führung, für
längere Zeit unfähig, auf dem Festland
militärisch
Vor allem führte der unerwartet schnelle
Sieg im
Westen zu einer gravierenden Überbewertung der eigenen
militärischen Kräfte.
1940 galt die französische Armee als die
stärkste militärische Kraft des Kontinents.
Deutschland hatte sie und zusätzlich
ein nominell starkes britisches Expeditionsheer sowie die Armeen
Belgiens und
der Niederlande binnen weniger Wochen besiegt. Der
„Völkische Beobachter“ tönte
am 25. Juni 1940 auf der Titelseite, die Unterwerfung Frankreichs werde
„in die
Geschichte eingehen als der glorreichste Sieg aller Zeiten.“
Die Wehrmacht sei
jedem Gegner gewachsen, so die allgemeine, durch eine frenetische
Propaganda
gestärkte Auffassung. In den Richtlinien des Oberbefehlshabers
des Heeres für
die Erziehung der Soldaten vom 21. Februar 1941 heißt es
u.a., „Führer und
Mann“ sollen durchdrungen sein „von dem Vertrauen
auf die Überlegenheit des
deutschen Soldaten über jeden Gegner und den unbeirrbaren
Glauben an den
endgültigen Sieg.“[21]
Hinzu kam, dass die deutsche Generalität
die
sowjetischen
Streitkräfte u.a
wegen der Stalin´schen Säuberungen und der
desaströsen Vorstellung der Roten Armee im
finnisch-sowjetischen Winterkrieg1939/40
nicht ernst nahm. Die Rote Armee galt den Nazi-Führern als „tönerner Koloss ohne
Kopf“. Sie verfüge „über keine
Führer“ und sei „schlecht
gerüstet“, so Hitler am 9. Januar 1941 vor der
Generalität.[22]
„Die russische
Wehrmacht“, erläuterte er am 5. Dezember 1940 vor
den Generalen, „sei der
deutschen rüstungsmäßig und personell,
besonders in der Führung, unterlegen.“[23]
Immer
wieder flossen in die militärischen Beurteilungen rassistische
Wertungen über
„die Slawen“ ein. Der „russische
Mensch“ sei „unterwertig“, meinte Hitler
in
der o.g. Beratung am 5. Dezember 1940,[24]
die
„Germanen“ ihm kulturell-zivilisatorisch und
hinsichtlich der
technisch-organisatorischen Fähigkeiten überlegen, so
die allgemeine Auffassung
im Offizierskorps. Diese geradezu „irrationale
Unterschätzung der Sowjetunion
und ihrer Menschen“[25]
war
spätestens seit Ende 1937 gewissermaßen
„Weisungslage“ im deutschen Militär. So
sollte nach den Weisungen von Ende 1937 die CSR auch dann
überfallen werden,
wenn die UdSSR an Ihre Seite treten würde.[26]
Auch
die Tuchacewski-Affäre und die
großflächigen
„Säuberungen“ in den sowjetischen
Streitkräften hatten großen Einfluß auf
die Beurteilung der Kampfkraft der
Roten Armee. In der deutschen Führung entstand der Eindruck,
die Rote Armee sei
auf viele Jahre praktisch kampfunfähig gemacht worden.[27]
Gegen den Überfall auf die Sowjetunion gab
es im Gegensatz zum Überfall auf Polen oder beim Krieg gegen
Frankreich bei den
sogenannten alten Eliten, vor allem im Militär, keine
Opposition, sondern
breite Zustimmung. Hermann Graml konstatierte, bei
„Barbarossa“ blieben „selbst
schwächliche und papierene Proteste der obersten
(Militär-)Führung aus, mit
Ausnahme von Admiral Canaris.“[28]
Manfred
Messerschmidt stellte bei der deutschen
Militärführung „das völlige Fehlen
von
Bedenken in der Vorbereitungsphase des Angriffs auf die
Sowjetunion“ fest.[29]
Quellenmäßig kann die Position mancher Historiker
nicht belegt werden, dass
Widerspruch aus „Feigheit“ ausblieb. So meinte Kurt
Pätzold über die Haltung
der deutschen Militärs bei „Barbarossa“ in
einer Rezension: „Da
zeigt sich eine Generalität mit einem bornierten
Bild von »Russland«, dem Regime, dem Land und den
Leuten sowie der Roten Armee.
Deutlich wird, wie feige oder einflussarm ihre Befehlshaber waren, um
dem
tödlichen und verbrecherischen Abenteuer zu
widersprechen.“[30]
Die
Quellen besagen, es gab bei den Absichten und Planungen für
den Eroberungs- und
antikommunistischen Vernichtungskrieg bei den deutschen Generalen nicht
nur
keine Opposition, sondern dienstbeflissene Mitwirkung aus
Überzeugung. Und
„einflußarm“ waren die
Militärführer nicht
Jürgen Förster resümierte, die Wehrmacht
habe die ideologischen Dogmen
und die Pläne für einen Raubkrieg sowie für
einen antikommunistischen und
rassistischen Vernichtungskrieg in verbindliche Befehle umgesetzt.[31] Rolf-Dieter
Müller, dessen jüngste Arbeit[32]
Pätzold
bespricht, benennt Ursachen der breiten Zustimmung. Bei den
„traditionellen
Führungseliten“, in Wirtschaft , Politik und
Militär sah er eine „globale
Übereinstimmung in der Frage des deutschen Ostimperiums und
der Vernichtung des
Bolschewismus“ mit der Politik der Nazi-Führung. [33]
In
einem früheren Aufsatz betonte Müller, dass
„die Grundprinzipien eines
künftigen deutschen Ostimperiums“ bei allen
Machtträgern in Deutschland
„unumstritten waren“.[34]
Zusammenfassen kann man feststellen: Die
führenden
deutschen Militärs waren, übereinstimmend der
Meinung, die Zerschlagung der
Sowjetunion sei nicht nur notwendig, sondern im Moment auch
günstig und in
kurzer Frist lösbar. Zudem glaubte man nicht, aus einer
strategischen
Zwangslage heraus zu handeln. Es schien der günstigste
Zeitpunkt für die
Realisierung der lange verfolgten Pläne für ein
deutsches Ostimperium zu sein.
Die deutsche Führung wähnte sich militärisch
auf dem Höchststand. Am 5. Dezember
1940 erklärte Hitler vor den Generalen: „Wir haben
im Frühjahr einen
sichtlichen Höchststand in Führung, Material Truppe,
die Russen einen
unverkennbaren Tiefstand. Wenn diese russische Armee einmal geschlagen
ist,
dann ist das Desaster unaufhaltsam.“[35]
Durch
die „Westfeldzüge“ und
gemäß der Auffassung, dass die USA erst 1942
militärisch
in den Krieg eingreifen könnten, glaubte man den
Rücken frei zu haben für einen
Krieg gegen die Sowjetunion, der in wenigen Wochen siegreich beendet
sein
könnte. Eine solche Konstellation wollte man unbedingt nutzen.
Dabei ist ein Erkenntnisgewinn gerade bei
den kontrovers diskutierten Grundsatzfragen des 22. Juni 1941
notwendig. Im
Gefolge der Wehrmachts-Ausstellung sind zwar viele Einzelstudien
entstanden.
Sie wenden sich aber vermehrt der Organisations- und
Täterforschung zu. Das
sind sicher wichtige Anliegen auch für die lange als Desiderat
geltende
Widerspiegelung des Krieges aus der Perspektive der mittleren und
unteren
Ebenen und der einfachen Menschen, doch besteht die Gefahr, dass hinter
den meist
außerordentlich materialreichen, detaillierten Untersuchungen
die Grundfragen
des deutschen Überfalls, das Warum und die Frage nach den
Haupttriebkräften -
die wohl wichtigsten Anliegen unserer Zunft - zurücktreten.
Eine solche Grundfrage ist, welche Ziele mit
dem Überfall verfolgt wurden und damit, welchen Char
In diesem Zusammenhang geht es auch um den
Begriff „Vernichtungskrieg“. Waren die im ersten
Halbjahr 1941 entwickelten Pläne für den
millionenfachen Mord an Sowjetbürgern ausschließlich dem Antimarxismus, der
Rassenideologie und dem Sozialdarwinismus der Nazis zuzuschreiben und
das
treibende Motiv für den Überfall? Oder ging es dabei
nicht hauptsächlich um die
langfristige Sicherung der Beute gegen jeden Widerstand, um den
Versuch, das
Gebiet westlich des Urals politisch wie „rassisch“
zu säubern und bevölkerungspolitisch
völlig neu zu ordnen? Stand hinter den
Vernichtungsplänen nicht auch der Plan,
„unnützer Esser“ zu beseitigen, damit die
Invasoren mehr Lebensmittel zur
Verfügung hatten, und die Absicht, die Bevölkerung zu
dezimieren, um, wie Rosenberg
am 2. April 1941 schrieb, Land
für „die
Ansiedlung einer mengenmäßig bedeutenden“
deutschen Bevölkerung[41]
zu
erhalten? Hermann Graml weist darauf hin, dass diese Seite des
Dezimierungskonzepts weit verbreitet war. Mit den Worten, „im
Hinblick auf die
zu erwartende Siedlungs- und Germanisierungspolitik müsse die
Bevölkerung des
Ostraums ohnehin reduziert werden“ beschreibt er das seiner
Meinung nach bei
allen Machtträgern tief verwurzelten
„Dezimierungspläne“.[42]
Einige Dokumente aus
der Zeit vor dem 22.Juni
lassen den Schluss zu, dass die „Weite des Ostens“
und die abschottende
Kriegssituation genutzt werden sollten, die
„europäische Judenfrage“ radikal
durch Massenmord zu lösen.[43]
War aber
der grundlegende Zusammenhang nicht so, um den Titel einer
verdienstvollen
sowjetischen Dokumentenedition aus dem Jahr 1963 zu variieren,[44]
dass
die geradezu ungeheuerlichen, die verbrecherischen Ziele
zwangsläufig auch die
massenhafte Anwendung verbrecherischer Mittel erforderten oder wie der
General
zbV im OKH Eugen Müller Mitte Juni 1941 vor Abwehr- und
Gerichtsoffizieren der
für den Überfall bereitgestellten
Großverbände den Zusammenhang zwischen
Kriegszielen und Menschenvernichtung euphemistisch umschrieb,
„Rechtsempfinden“
habe „u.U. hinter Kriegsnotwendigkeit zu treten“?[45]
Prägenden Einfluß auf die
Geschichtsschreibung und die
Massenmedien in Deutschland hat nach wie vor die die
Totalitarismusdoktrin, die
„Bolschewismus“ und Faschismus im Grunde
gleichsetzt.
Eine eigenwillige und
zeitlich und räumlich sehr weitgehende Variante dieser Doktrin
kreiert der eher
als „SED-Forscher“ bekannt gewordenen Klaus
Schroeder von der Freien
Universität Berlin. In der zusammen mit Peter März
herausgegebenen Buchreihe
„Berlin und München“ publizierte er eine
Dissertation über das
Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete.[46]
Im
Vorwort behaupten Schroeder und März, die zivile
Okkupationsverwaltung der
Nazis in der Sowjetunion sei an sich selbst und am totalitären
Wesen des
NS-Regimes gescheitert.
Das sei zugleich
ein Beleg für die „weitgehende(n)
Unfähigkeit moderner Diktaturen, Bürokratien
effizient
arbeiten zu lassen und vorhandene Ressourcen wirksam
einzusetzen“ Dies wäre „zugleich
ein generelles Strukturdefizit totalitärer Regime“.
Nicht zuletzt darin
unterschieden sich die „repressiven und freiheitlichen
Ordnungssysteme(n) mit
den jeweiligen ökonomischen, politischen und geistigen
Konsequenzen“.[47]
Im letzten Jahrzehnt gewinnt
die hitlerzentristische
Betrachtungsweise des deutschen Überfalls, oft in
Kombination mit der Totalitarismusdoktrin, zunehmenden
Einfluß. In einem Spiegel-Interview von 2008 meinte Rolf-Dieter Müller, Leitender Wissenschaftlicher Direktor am MGFA und
Professor an der Humboldt-Universität, als Fazit des
Geschichtswerks „Das
Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg“, insbesondere der
Angriff auf die
Sowjetunion, sei Hitlers Krieg gewesen. „Die Perspektive auf
Hitler als Person,
als Motor des Ganzen, ist deutlicher und intensiver geworden.
Sämtliche
Erklärungen, die versucht haben, seine Rolle zu relativieren,
sind widerlegt.
Der Weltkrieg…wurde von Hitler zielgerichtet ab 1933
vorbereitet.“[48]
Damit
stellt er sich dezidiert gegen andere ausgewiesene Historiker. Gerd R.
Ueberschär z. B. meint in einer neuen Publikation, es sei
„verfehlt, die Frage
, wie es zu diesem Aggressionsakt (dem 22.6.1941- M.S.) kommen konnte,
allein
als biografisches Problem der Person Hitler zu sehen. Es ist deshalb
notwendig,
auf die Einbindung der Hitlerschen Vorstellungen in parallel
verlaufende
Überlegungen deutscher Führungseliten seit dem Ersten
Weltkrieg hinzuweisen“.[49] Dabei ist anzumerken, dass
Müller in Arbeiten aus den 80er Jahren, gestützt auf
eine breite Quellenbasis,
die hitlerzentristische Betrachtungsweise des Krieges gegen die
Sowjetunion zurückgewiesen,
die breite Zustimmung der Macht- und Einflusseliten zu den
„Grundprinzipien
eines künftigen deutschen Ostimperiums“
hervorgehoben und die Kontinuität der
„Ostraumpläne“ seit dem Ersten Weltkrieg
unterstrichen hatte.[50]
Trotz einer kaum noch überschaubaren
Fülle von
Arbeiten, die die Angriffsabsicht der deutschen Führung
belegen, lebt die schon
totgeglaubte Präventivkriegsthese vor allem in
revisionistischen und politisch
einflussreichen militaristischen und politisch rechten Kreisen fort.
Am 11. März 1997 behauptete der ehemalige
Generalinspekteur der Bundeswehr, Heinz Trettner, im Bonner
„Generalanzeiger“, es
„dürfte heute bewiesen sein, dass der Krieg gegen
die Sowjetunion - anders als
die Umerziehungspropaganda behauptet - in erster Linie ein nur schweren
Herzens
begonnener, aufgezwungener Präventivkrieg war.“
Trettner, im Zweiten Weltkrieg
u.a. Staffelkapitän der Legion Kondor, ab 1943 Generalmajor,
lieferte in der
gleichen Zeitung auch eine abenteuerliche Erklärung
für die im Krieg gegen die
Sowjetunion verübten Verbrechen. In dem der Wehrmacht
aufgezwungenen
Präventivkrieg sei es, so räumt er ein, zu
„unmenschliche(n) Formen vom ersten
Tag an“ gekommen. Diese seien ausschließlich
„von den aufgeheizten sowjetischen
Soldaten“, die deutsche Gefangene ermordet hätten,
„in die Auseinandersetzung
hineingetragen worden". Die Verbrechen der Deutschen, so Trettner,
seien
nur eine Re
Die These des ehemals höchsten Soldaten
der
Bundeswehr wird von Klaus Jochen Arnold vor allem in seiner
Dissertation
untermauert.[52]
Er bedauert die unleugbaren Verbrechen, führt sie aber auf
einen sich reziprok
brutalisierenden und radikalisierenden Krieg zurück. Der
sowjetische Widerstand
hätte die Deutschen zu einer verbrecherischen
Kriegsführung und
Besatzungspolitik, die vor allem die Wehrmacht so nicht gewollt und
innerlich
abgelehnt habe, provoziert. Arnold erhielt für seine
Dissertation 2004 den vom Bundesamt
für Wehrtechnik und
Beschaffung gestifteten Werner-Hahlweg-Preis.[53]
Angesichts der oft weit auseinanderliegenden
Einschätzungen ist es ratsam, einen Blick auf die deutschen
Dokumente zu
werfen, die vor dem 22.Juni 1941 entstanden sind. Darin erscheinen die
deutschen Absichten unabhängig von späteren, durch
die Zwänge des Krieges und
des Besatzungsalltags erfolgten Modifikationen, gewissermaßen
in Laborform.
Die konkreten Vorbereitungen auf einen
Angriffskrieg gegen die Sowjetunion begannen im Juni 1940 durch das
Heer, was
oft übersehen wird, ohne Auftrag Hitlers, des Obersten
Befehlshabers. Der Chef
des Generalstabs des Heeres, Halder wollte in einem Blitzkrieg noch
1940 die
baltischen Staaten, Bjelorußland und die Ukraine aus der
Sowjetunion
„herausschneiden“.[54]
Der
seit Ende Juni 1941 von den Oberkommandos selbständig
vorbereitete „Blitzkrieg“
gegen die SU war ein deutlicher Beleg für die gemeinsame
Auffassung der „alten“
Eliten, insbesondere der Militärs mit jener der faschistischen
Führung über
einen Krieg gegen die Sowjetunion zur Schaffung eines deutschen
Ostimperiums
und zur Vernichtung des Kommunismus. Ueberschär wertet die
„selbständigen
Operationsplanungen der höheren Militärs“
als Ausdruck „eine(r) weitgehende(n)
Ziele- und Interessengleichheit für ein
grundsätzliches Ausgreifen nach Osten“.
[55]
In der entscheidenden Besprechung der
Spitzenmilitärs
mit Hitler am 31.Juli.1940 wurde festgelegt, die SU erst im
Frühjahr 1941 anzugreifen,
dann aber den gesamten sowjetischen „Staat in einem Zug
schwer(zu) zerschlagen.“[56]
Die Hauptkräfte
der Roten Armee vermutete man westlich der Dwina-Dnjepr-Linie. Sie
sollten durch
blitzartige Panzervorstöße vernichtet werden. Bis
zum Einbruch des Winters 1941
habe die Wehrmacht die allgemeine Linie Kaspisches Meer - Archangelsk
zu erreichen.[57]
Damit
wäre die Sowjetunion bis zu den Westausläufern des
Ural unter deutsche
Herrschaft geraten und ihr endgültiger Zusammenbruch besiegelt. Nach Alfred Rosenberg
wäre auch ein deutsches Vorgehen gegen „russisch
Mittelasien“
notwendig. Das Gebiet sei „die Baumwollkammer
Rußlands“.
Es böten sich darüber hinaus
„ungeheure“ Möglichkeiten
in Richtung „Iran und Afghanistan“ sowie
„gegen Indien“.[58]
Die Eroberung eines Ostimperiums war zwar
der zentrale Punkt in den deutschen Kriegsplanungen, sie wurde aber
immer unter
gesamteuropäischen und global-strategischen Gesichtspunkten
gesehen. „Die
Entscheidung über die europäische
Hegemonie“, so Hitler am 5. Dezember 1940 vor
der Generalität, falle „im Kampf gegen
Rußland“.[59]
Erst
die Unterwerfung und Ausbeutung der UdSSR und ihrer Bewohner
gewährleiste die
Herrschaft über den Kontinent, sichere die
Unabhängigkeit von überseeischen
Einfuhren, schaffe eine Landverbindung nach Mittel- und Ostasien und
biete
somit die Möglichkeiten für den Kampf gegen andere
Weltreiche, so die gängige
Auffassung. Am 9.Januar 1941 sagte Hitler nach einer Eintragung Im
Kriegstagebuch des OKW: „Deutschland würde nach der
Zerschlagung Rußlands
unangreifbar sein. Der russische Riesenraum berge
unermeßliche Reichtümer…Damit
verfüge es(Deutschland-M.S.) über alle
Möglichkeiten, auch in Zukunft den Kampf
gegen Kontinente zu führen.“[60]
Gegenüber
dem Danziger Senatspräsidenten Hermann Rauschning sagte Hitler
schon vor dem
Krieg, ein Sieg über die UdSSR werde „uns die Pforte
zur dauernden Herrschaft
über die Welt aufstoßen.“[61]
Der Kampf um „die Herrschaft
über die Welt“
war nach Meinung der Nazis nur dann erfolgreich zu führen,
wenn die
Lebensmittel- und Rohstoffressourcen der UdSSR vollständig in
die
Verfügungsgewalt der Deutschen gerieten. Noch 1941 sollte das
fast 4 Millionen
Mann zählende Invasionsheer sowie der voluminöse
Besatzungsapparat „aus dem
Lande“ versorgt und zusätzlich große
Mengen an Lebensmitteln und Rohstoffen
nach Deutschland gebracht werden. Ein Besprechung am 2. Mai 1941
stellte fest,
der Krieg sei nur weiterzuführen, wenn noch 1941 die gesamte
Wehrmacht „aus
Rußland ernährt wird.“ [62]
Reichsaußenminister von Ribbentrop telegrafierte am 28.
Juni1941 an die
deutsche Botschaft in Tokio, der bald zu erwartende Zusammenbruch der
UdSSR
bringe Deutschland in den „Besitz der russischen
Ölquellen und Getreidefelder“.
Damit und mit der durch den Sieg hergestellten
„unmittelbare(n) Landverbindung
nach Ostasien“ wären eine britische Blockade
unmöglich und „alle
Voraussetzungen gegeben“ die faschistische
„Neuordnung des europäischen Raumes“
durchzuführen.[63]
Seit Anfang 1941 planten das OKW, die
Vierjahresplanbehörden und das Wirtschafts- und
Landwirtschaftsministerium für
die zu besetzenden Gebieten eine ausgesprochene Raub- und
Ausschlachtungsstrategie.[64]
Der
später mit dem Aufbau einer staatsmonopolistischen
Organisation zur Ausnutzung
der sowjetischen „Reichtümer“ beauftragte
Chef des Wehrwirtschafts- und Rüstungsamtes
im OKW, General der Infanterie Georg Thomas, hatte schon im Februar
1941 gegenüber
Hitler und Göring darauf aufmerksam gemacht, dass die
ernährungspolitischen
Ziel der deutschen
Faschisten in der
Sowjetunion nur dann erreicht werden könnten, wenn der
„Eigenverbrauch“ der
sowjetischen Bevölkerung drastisch gekürzt, in
manchen Gebieten ganz gestrichen
werde. Die Ausführungen des Repräsentanten der
deutschen Wirtschaft in der
Wehrmacht zur Einführung eines kriminellen Versorgungsprinzips
gegen die sowjetische
Bevölkerung war gültige Richtlinie für alle
Besatzungsbehörden bis 1944.[65]„Soviel
wie
möglich Lebensmittel und Mineralöl für
Deutschland zu gewinnen“ sei „das
Hauptziel der Aktion“. Es gehe „um die sofortige
und höchstmögliche Ausnutzung“
heißt es in den wirtschaftlichen Richtlinien für die
Invasoren.[66]
Über
die Konsequenzen für die sowjetische Bevölkerung
waren sich Initiatoren und
Vollstrecker dieser Strategie im Klaren. Zig Millionen Menschen
würden
„verhungern“.[67]
Das „Absterben…eines großen Teils der
Menschen“ in den Industriestädten wie
Moskau und Leningrad sowie in der gesamten Waldzone wird in den
Dokumenten als
Folge der Ausbeutungsstrategie geplant.[68]
Der
millionenfache Hungertod der Sowjetbürger war ein
kühl kalkulierter Effekt.
Unnütze Esser sollten verschwinden, um mehr Lebensmittel nach
Deutschland
bringen zu können. Andererseits dezimierte man so die
Bevölkerung und es
entstanden „menschenverdünnte“ Zonen zur
Besiedlung mit „Germanen“. Zwei Tage
vor Beginn ders Angriffs erläuterte der zukünftige
Reichsminister für die
besetzten Ostgebiete, Alfred Rosenberg“ den Spitzen des
Nazi-Reiches die
geplante Ausbeutungs- und Hungerstrategie und deren Folgen für
die sowjetische
Bevölkerung. Oberster Grundsatz sei,
„möglichst viel aus diesen Gebieten
herauszuziehen“, um „die deutsche
Ernährung und Kriegswirtschaft zu sichern“. Wegen
er Hungerpolitik und den „sehr umfangreiche(n)
Evakuierung(en), so Rosenberg
weiter, werden „dem Russentum…sicher
sehr schwere Jahre bevorstehen“.[69]
Den
Dezimierungsaspekt des Raubkrieges betonte der „zweite
Mann“ in der
Nazi-Hierarchie, Hermann Göring. Gegenüber dem
italienischen Außenminister
Galeazzo Ciano bemerkte er im November 1941: „In diesem Jahr
werden in Rußland
zwischen 20 und 30 Millionen Menschen verhungern. Und vielleicht ist
das gut
so, denn gewisse Völker müssen dezimiert
werden.“[70]
Noch
heute negieren revisionistische Historiker die Existenz solcher
Hungerstrategien. Klaus Jochen Arnold schrieb in seiner
preisgekrönten
Dissertation, von einer gezielten Massenvernichtung durch
wirtschaftliche
Ausbeutung und von einem Hungerplan könne nicht die Rede sein.[71]
In
einem Vortrag vor der Berliner Gesellschaft für Faschismus-
und
Weltkriegsforschung e.V.am 10. Oktober 2006 behauptete er:
„Einen
allgemeingültigen Hungerplan gegenüber der
Zivilbevölkerung oder den
Kriegsgefangenen gab es nicht.“[72]
Der geplante Hunger-Genocid, darauf wies
Adam Tooze hin, war neben den terroristischen Plänen von
Wehrmacht SS und
Polizei zum Massenmord an der sowjetischen Bevölkerung
gewissermaßen ein
zweites Völkermordprogramm. Dieser Genozid war lange vor dem
Überfall Arbeits-
und Diskussionsgegenstand in vielen zivilen Behörden und der
Wehrmacht. Er war,
so die Schlussfolgerung von Tooze,
weit weniger geheim als die zunächst in nur kleinen SS- und
Wehrmachtszirkeln
diskutierten Maßnahmen zur massenhaften Tötung sogn.
rassisch und politisch Unerwünschter.[73]
Mit der Raubstrategie wollte man außerdem
grundlegende
F
Um den „riesenhaften Kuchen“,
so Hitler am 16. Juli
1941, beherrschen und effektiv ausbeuten zu können,[76]
plante man, die europäische Sowjetunion in Anlehnung an die im
Ersten Weltkrieg
entstandenen, von der 3. Obersten Heeresleitung unter von Hindenburg
und
Ludendorff zeitweise auch umgesetzten Dekompositionskonzepte in vier
Reichskommissariate zu zerschlagen.[77]
Einigen Gebieten war ein besonderes Schicksal
zugedacht.
So war vorgesehen, der Ukraine in ferner Zukunft den Status eines
Satellitenstaates
zu verleihen. Sehr schnell sollten das Baltikum, Galizien, das Gebiet
der W
Den
Nazi-Führern war klar, dass diese Ziele auch nach einem Sieg
über die Rote
Armee Aufruhr provozieren mussten. Als Organisatoren und
Hauptkräfte des Widerstandes
sah man die sowjetischen Kommunisten. Im Februar 1941 sagte Hitler zu
Göring,
zur Befriedung des besetzten Gebietes und zur Gewährleistung
einer maximalen
Ausnutzung müsse man den Kommunismus durch Beseitigung aller
politischen Führer
„ausrotten“.[79]
Goebbels notierte am 16.Juni 1941 in seinem Tagebuch:
„Wogegen wir unser ganzes
Leben gekämpft haben, das vernichten wir jetzt.“[80]
Angesichts
der verbrecherischen Ziele und besonders wegen des Gegners, des
„jüdischen
Bolschewismus“ wie die zusammenfassende Feind- und
Tötungsformel lautete, wies
die deutsche Führung darauf hin, dass die kommende Aggression
kein Feldzug wie
die vorangegangenen werde. In Richtlinien für das OKW legte
Hitler am.3. März
1941 fest: „Dieser kommende Feldzug ist mehr als nur ein
Kampf der Waffen; er
führt auch zur Auseinandersetzung zweier Weltanschauungen. Um
diesen Krieg zu
beenden, genügt es bei der Weite des Raumes nicht, die
feindliche Wehrmacht zu
schlagen…die jüdisch-bolschewistische
Intelligenz…muß vernichtet werden.“[81]
Der
Chef des Wehrmachtsführungsstabes, Alfred Jodl, wies auf
„die Notwendigkeit,
alle Bolschewistenhäuptlinge und Kommissare sofort
unschädlich zu machen“ hin.[82]
Es
müßten, so die allgemeine Auffassung, in
großem Umfang völkerrechtswidrige Mittel
angewandt werden. So sollten nach der grundsätzlichen
Richtlinie des OKW vom
13. März 1941(„Richtlinien auf Sondergebieten zur
Weisung Nr. 21(Fall
Barbarossa)“) besondere, von der bisherigen Praxis
abweichende Regelungen für
„das Verhalten der Truppe gegenüber der
Bevölkerung“ und für „die
Aufgaben der
Wehrmachtgerichte“ erlassen werden.[83]
In
dieser für den Kampf gegen die Sowjetunion und das
spätere Okkupationsregime
entscheidenden Richtlinie heißt es, der besondere Char
In
den Terrorbefehlen für die Wehrmacht,[89]
SS
und Polizei[90]
ging es vorrangig um die
Vernichtung der „Träger“ des
Sowjetsystems. So wurde in dem Befehl zur
„Kampfführung“ vom 2. Mai 1941 des
Befehlshabers der Panzergruppe 4, Erich
Hoepner, angewiesen, es dürfe „keine Schonung
für die Träger des heutigen
russisch-bolschewistischen Systems“ geben.[91]
Zu
den „Trägern des Systems“ zählten
alle Kommunisten, die Angestellten des
sowjetischen Staates vom Minister bis zur Kindergärtnerin,
Angehörige der
Intelligenz und leitendes Wirtschaftspersonal. Eine Kaskade
entsprechender,
teils nur mündlicher Weisungen, Befehle und Anordnungen zur
Vernichtung dieser
„Träger des Systems“ erging ab
März 1941. Am 10. Und 11. Juni 1941 instruiert
der General zbV. Im OKH, Eugen Müller die Abwehroffiziere und
Heeresrichter der
für den Überfall bereitgestellten
Großverbände über die Vernichtungsbefehle.
Vor diesem, für die Terrorpolitik in den eroberten Gebieten
entscheidenden
Personenkreis sagte er, die oben zitierten Ausführungen
Hitlers am 30. März
fast wörtlich zu wiederholend, den kommunistischen Feind, die
»Träger der
feindlichen Einstellung« dürfe man »nicht
konservieren, sondern erledigen«. Es
sollten auch »Hetzer, Flugblattverteiler,
Saboteure« sowie all jene
Sowjetbürger, die deutsche Anordnungen nicht befolgen,
ermordet werden.[92]
Der Kreis der zu ermordenden Sowjetbürger
wurde
dadurch erheblich ausgeweitet, dass die Weisungen Menschenverachtung
und extreme
Gewaltbereitschaft mit militantem Antikommunismus und rabiaten
biologischem
Rassismus, insbesondere mit Antislawismus und Antisemitismus verbanden.
Am 26.
März 1941 beauftragte Göring den Chef des
Reichssicherheitshauptamtes, Reinhard
Heydrich, für die Wehrmacht eine „ganz kurze,
3–4seitige Unterrichtung“
vorzubereiten, „damit die Truppe wisse, wen sie pr
Die krude Nazi-Ideologie verschmolz mit den
uferlosen Eroberungszielen
zur Fokussierung auf den Hauptgegner und zur Rechtfertigung der
geplanten
Massenverbrechen und war Grundlage einer hysterischen
Haßpropaganda in die
Truppe“. Sie sollte die Soldaten zu willigen Exekutoren der
verbrecherischen
Befehle machen. So heißt es im 1. Juni-Heft 1941 der
„Mitteilungen für die
Truppe“: „Was Bolschewiken sind, das weiß
jeder, der einmal einen Blick in das
Gesicht eines Roten Kommissars geworfen hat…Es
hieße Tiere beleidigen, wollte
man dieser zu einem hohen Prozentsatz jüdischen
Menschenschinder tierisch
nennen…In der Gestalt dieser Kommissare erleben wir den
Aufstand der
Untermenschen gegen edles Blut.“[96]
Bei den vor der Aggression ergangenen
Tötungsanweisungen für die seit März
entstehenden speziellen Mordapparate und
die normalen Polizei- und Wehrmachtseinheiten fallen drei Punkte ins
Auge:
In der Literatur findet man allenthalben die
Feststellung, dass der 22.Juni.1941 ein Schicksalstag gewesen sei. So
richtig
diese Bemerkung ist, wenn nicht nur Deutschland und die Deutschen
gemeint sind,
so muss doch darauf hingewiesen werden, dass dieser Tag vor allem der
Beginn
einer bis heute kaum fassbaren Katastrophe für die sowjetische
Bevölkerung war.
Etwa 27 Millionen
Sowjetbürger
verloren durch Aggression und Besatzung ihr Leben, darunter mehr als 3
Millionen der etwa 5,3 Millionen Rotarmisten, die in deutsche
Gefangenschaft
geraten waren - das neben der am 22. Juni 1941 begonnenen Aggression
wohl
größte Verbrechen des deutschen Imperialismus an den
Bewohnern der Sowjetunion.
[1] Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht(Wehrmachtsführungsstab), herausgegeben von Percy E. Schramm, zusammengestellt und erläutert von Hans-Adolf Jacobsen, Augsburg 2005, Bd. I/I, S. 258(im Folg. KTB/OKW).
[2] Ebenda, S. 300.
[3] Zitiert nach Dietrich Eichholtz, Der „Generalplan Ost“. Über eine Ausgeburt imperialistischer Denkart und Politik, in: Jahrbuch für Geschichte, Bd. 26, Berlin 1982, S. 218.
[4] Generaloberst Halder, Kriegstagebuch, Band II, bearbeitet von Hans-Adolf Jacobsen, Stuttgart 1963, S. 481(Eintrag v. 21.6.1941)( im Folg. Halder II) sowie schematische Kriegsgliederung v. 27.6.1941 in: KTB/OKW, Bd.2/2, S. 1135ff. Dazu ausführlich Ernst Klink, Die Operationsführung. 1. Heer und Kriegsmarine, in: Horst Boog u.a , Der Angriff auf die Sowjetunion, .(Bd. 4 der Reihe Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg) Frankfurt am Main 1991, S. 321.
[5] Zur Kontinuität der deutschen Bestrebungen hinsichtlich der Schaffung eines „ Ostimperiums“ seit dem Ersten Weltkrieg s. Rolf-Dieter Müller, Das Tor zur Weltmacht. Die Bedeutung der Sowjetunion für die deutsche Wirtschafts- und Rüstungspolitik zwischen den Weltkriegen, Boppard am Rhein 1984(Militärgeschichtliche Studien herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, 32)
[6] Zit. n. Jürgen Förster, Hitlers Entscheidung für den Krieg gegen die Sowjetunion, Bd. 4 Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, a.a.O, S.59.
[7] Zit. in Ebenda, S. 36.
[8]
Der Prozeß gegen
die
Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen
Militärgerichtshof, Nürnberg, 14.
Oktober 1945 bis 1. Oktober 1946, Nürnberg 1947, Dok. 079-L,
Band XXXVII, S.
546ff. Alle Zitate aus diesem Dokument. (im Folgenden IMT)
[9]
Ausführlich dazu:
Martin Seckendorf, Weltkrieg einkalkuliert. Vor 70 Jahren fand eine der
wichtigsten Beratungen
zur Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges statt. Es wurde der baldige
Überfall
auf Polen beschlossen, in: „junge
Welt“, Berlin v. 23. 5.2009, S. 10f.
[10] Zit. n. Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 1: Ursachen und Voraussetzungen der deutschen Kriegspolitik von Wilhelm Deist, Manfred Messerschmidt, Hans-Erich Volkmann und Wolfram Wette, Frankfurt am Main 1989, S. 836.
[11] Ausführlicher zu den Folgen des schnellen Sieges im Westen Martin Seckendorf, „Pforte zur dauernden Herrschaft über die Welt“. Vor 70 Jahren beschloß die deutsche Führung unter der Deckbezeichnung „Fall Barbarossa“, die Sowjetunion zu überfallen, in: „junge Welt“, Berlin v. 18.12.2010, S. 10f.
[12] Zit. n. Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 2: Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent von Klaus A. Maier, Horst Rohde, Bernd Stegemann, Hans Umbreit, Stuttgart 1979, S. 239.
[13] Halder I, S. 308.
[14] Zit. n. Jürgen Förster, Hitlers Entscheidung für den Krieg gegen die Sowjetunion, in: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 4. a.a.O, S. 28.
[15] Zit. n. Deutschland im zweiten Weltkrieg, von einem Autorenkollektiv unter Leitung von Wolfgang Schumann und Gerhart Hass, Bd.1: Vorbereitung, Entfesselung und Verlauf des Krieges bis zum 22. Juni 1941, Leitung Gerhard Hass, Berlin 1974, S. 353f.
[16] Dazu Gerd R. Ueberschär, Hitlers Entschluß zum „Lebensraum“- Krieg im Osten, in: Gerd R. Ueberschär/Wolfram Wette(Hg.), Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. „Unternehmen Barbarossa“, Frankfurt am Main 2011, S. 29ff.
[17] Halder II, S. 212.
[18] Aufzeichnung von Bernhard von Loßberg vom 21.12.1940, in KTB/OKW, Bd.2/2, Dok. 45, S. 996.
[19] So etwa Christian Gerlach in: Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 1944, Hamburg 1999.
[20] Zit. n. Anatomie der Aggression. Neue Dokumente zu den Kriegszielen des faschistischen deutschen Imperialismus im zweiten Weltkrieg, herausgegeben und eingeleitet von Gerhart Hass und Wolfgang Schumann, Berlin 1972, S. 21.
[21] Zit. n. Ernst Klink, Die militärische Konzeption des Krieges gegen die Sowjetunion, in: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 4, a.a.O., S. 317
[22] KTB/OKW I/I, S. 258.
[23] Ebenda, S. 205
[24] Halder II, S. 214.
[25] So Gerhard Schreiber, Deutsche Politik und Kriegführung 1939-1945, in: Karl Dietrich Bracher/Manfred Funke/Hans-Adolf Jacobsen(Hrsg.), Deutschland 1933-1945. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, Bonn 1992, S. 341.
[26] Manfred Messerschmidt, Die Wehrmacht im NS-Staat, in Karl Dietrich Bracher/Manfred Funke/Hans-Adolf Jacobsen(Hrsg.), Deutschland 1933-1945, a.a.O. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, Bonn 1992, S. 392.
[27] Ingeborg Fleischhauer, Der Widerstand gegen den Rußlandfeldzug, in: Beiträge zum Widerstand 1933-1945, H.31(1987), S. 8.
[28] Hermann Graml, Die Wehrmacht im Dritten Reich, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, H. 3/Juli 1997, S. 375.
[29] Manfred Messerschmidt, Die Wehrmacht im NS-Staat, in Karl Dietrich Bracher/Manfred Funke/Hans-Adolf Jacobsen(Hrsg.), Deutschland 1933-1945, a.a.O. Neue Studien zur nationalsozialistischen Herrschaft, Bonn 1992, S. 396.
[30] Kurt Pätzold, Verwischte Spuren bloßgelegt, in: Neues Deutschland, Berlin v. 16.6.2011.
[31] Jürgen Förster, Das Unternehmen „Barbarossa“ als Eroberungs- und Vernichtungskrieg, in: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 4, a.a.O., S. 530.
[32]
Rolf-Dieter
Müller: Der Feind steht im Osten. Hitlers geheime
Pläne für einen Krieg gegen
die Sowjetunion im Jahr 1939, Berlin 2011.
[33] Rolf-Dieter Müller, Das Tor zur Weltmacht, a.a.O., S. 253.
[34] Ders., Industrielle Interessenpolitik im Rahmen des „Generalplan Ost“. Dokumente zum Einfluß von Wehrmacht, Industrie und SS auf die wirtschaftspolitische Zielsetzung für Hitlers Ostimperium, in: Militärgeschichtliche Mitteilungen H. 1/1981, S. 105.
[35] Halder II, S. 214.
[36] Für diesen Abschnitt erhielt ich dankenswerter Weise wertvolle Anregungen und Hinweise von Werner Fischer
[37] Neuere Literaturübersichten bieten Jörg Ganzenmüller, Besatzer und Besetzte: Neue Forschungen zum deutsch-sowjetischen Krieg 1941-1945, in: Neue Politische Literatur, Darmstadt,Jg. 53(2008) S. 43-55 sowie Gerd R. Ueberschär, Das „Unternehmen Barbarossa“ als Vernichtungskrieg im Osten im Spiegel neuerer Literatur seit 1994/95, in:Gerd R. Ueberschär/Wolfram Wette(Hg), Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. „Unternehmen Barbarossa“, a.a.O. S. 404-420.
[38] Andreas Hillgruber, Hitlers Strategie, Franfurt a. Main 1965.
[39]
http://1000dok.digitale-sammlungen.de/dok_0009_bar.pdf(Weisung Nr. 21 "Fall Barbarossa",
18.12.1940)
[40] Gerd R. Ueberschär/Wolfram Wette(Hg), Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. „Unternehmen Barbarossa“, a.a.O., Deckblatt der Ausgabe von 2011.
[41] IMT, Bd. XXVI, Dok. 1017-PS, S.550.
[42] Hermann Graml, Die Wehrmacht im Dritten Reich, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Stuttgart, H.3/1997, S. 379.
[43]
Gespräch Hermann
Göring mit Reinhard Heydrich am
26.3.1941,
Sonderarchiv Moskau (später u. d. Bezeichnung: Zentrum zur
Aufbewahrung
historisch-dokumentarischer Sammlungen), 500-3-795, auszugsweise
abgedruckt
bei: Götz Aly, „Endlösung“.
Völkerverschiebung und der Mord an den europäischen
Juden, Frankfurt am Main 1995, S. 270.
[44] Verbrecherische Ziele-Verbrecherische Mittel. Dokumente der Okkupationspolitik des faschistischen Deutschlands auf dem Territorium der UdSSR(1941-1944), zusammengestellt von G.F. Sastwenko u.a., Moskau 1963.
[45] Zit. n. Christian Streit, Die Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen und völkerrechtliche Probleme des Krieges gegen die Sowjetunion, in: Gerd R. Ueberschär/Wolfram Wette(Hg), Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. „Unternehmen Barbarossa“, a.a.O., S. 163.
[46]
Andreas
Zellhuber, ,,Unsere Verwaltung treibt einer Katastrophe
zu…".Das
Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete und die
deutsche Besatzungsherrschaft
in der Sowjetunion 1941-1945, Stamsried 2005.
[47] Ebenda, S. IX.
[48] „Der Spiegel“, H. 15/2008, S. 50.
[49] Gerd R. Ueberschär, Hitlers Entschluß zum „Lebensraum“-Krieg im Osten, in: Gerd R. Ueberschär/Wolfram Wette(Hg.), Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. „Unternehmen Barbarossa“ 1941, a.a.O., S. 15.
[50] U.a. in den o. genannten Arbeiten(Anm. 5 und 34).
[51] Zit. n. Hans-Erich Volkmann, Die Legende vom Präventivkrieg, in: Die Zeit, Nr. 25/13.6.1997.
[52] Klaus Jochen Arnold, Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Kriegführung und Radikalisierung im "Unternehmen Barbarossa", Berlin 2005-Zeitgeschichtliche Forschungen, Band 23).
[53] S. Peter Hoeres: Rezension zu: Arnold,
Klaus
Jochen: Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten
Gebieten der
Sowjetunion. Kriegführung und Radikalisierung im "Unternehmen
Barbarossa". Berlin 2004, in: H-Soz-u-Kult, 15.03.2005,
<http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-1-191>.
[54] Halder I, S.372 sowie Halder II, S. 6, 8, 32.
[55] Gerd R. Ueberschär, Hitlers Entschluß zum „Lebensraum“-Krieg im Osten, in: Gerd R. Ueberschär/Wolfram Wette(Hg.), Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. „Unternehmen Barbarossa“ 1941, a.a.O., S. 34.
[56] Halder II,S. 49f.
[57] „Weisung Nr. 21 Fall Barbarossa“ vom 18.12.1940, vollständig abgedruckt in: Gerd R. Ueberschär/Wolfram Wette(Hg.), Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. „Unternehmen Barbarossa“ 1941, a.a.O., S. 244ff.
[58] „Denkschrift Nr. 1“ vom 2.4.1941,volständig abgedruckt in: IMT, Bd. XXVI, Dok. 1017-PS, S. 552f.
[59] Halder II, S.212.
[60] KTB/OKW, I/I, S. 258.
[61] Hermann Rauschning, Gespräche mit Hitler, Zürich-New York 1940, S. 126.
[62] Die Aktennotiz über die Besprechung am 2.5.1941 ist auszugsweise abgedruckt in: Anatomie des Krieges. Neue Dokumente über die Rolle des deutschen Monopolkapitals bei der Vorbereitung und Durchführung des zweiten Weltkrieges, herausgegeben und eingeleitet von Dietrich Eichholtz und Wolfgang Schumann, Berlin 1969, Dok.-Nr. 159, S. 329.
[63] Zit. n. Anatomie der Aggression, a.a.O., S. 21.
[64] Ausführlich dazu Dietrich Eichholtz, Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft 1939-1945, Bd. I: 1939-1941, Berlin 1984, S. 238ff.
[65] Rolf-Dieter Müller, Von der Wirtschaftsallianz zum kolonialen Ausbeutungskrieg, in: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg Bd. 4, a.a.O. S.170.
[66] Aus den Richtlinien über die wirtschaftliche Ausnutzung der zu besetzenden sowjetischen Gebiete, in: Anatomie des Krieges, a.a.O., Dok.-Nr. 163, S. 333
[67] Aus der Aktennotiz über die Ergebnisse der Sitzung der Staatssekretäre vom 2. Mai 1941 über „Barbarossa“, in: Ebenda, Dok.-Nr. 159, S. 329
[68] Aus den Wirtschaftspolitischen Richtlinien für Wirtschaftsorganisation Ost, Gruppe Landwirtschaft“ des Wirtschaftsstabes Ost vom 23.5.1941, in: Weltherrschaft im Visier. Dokumente zu den Europa- und Weltherrschaftsplänen des deutschen Imperialismus von der Jahrhundertwende bis Mai 1945, hgg. und eingeleitet von Wolfgang Schumann und Ludwig Nestler, Berlin 1975, Dok.-Nr.126, S. 300.
[69]
IMT, Bd. XXVI, Dok.
1058-PS,
S. 622ff.…
[70] Zit. n. Czeslaw Madajczyk, Die Okkupation Nazideutschlands in Polen 1939-1945, Berlin 1987, S. 92
[71] Klaus Jochen Arnold, Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion, a.a.O., S. 412.
[72].www.berliner-gesellschaft.org/Berichte
[73] Adam Tooze, Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus, Bonn 2007, S. 550ff.
[74] Auszug aus der Aktennotiz über die Besprechung der Staatssekretäre vom 2.5.1941, in: Anatomie des Krieges, a.a.O., Dok.-Nr. 159, S. 329.
[75] Aus den Wirtschaftspolitischen Richtlinien für Wirtschaftsorganisation Ost, Gruppe Landwirtschaft“ des Wirtschaftsstabes Ost vom 23.5.1941, in: Die faschistische Okkupationspolitik in den zeitweilig besetzten Gebieten der Sowjetunion(194-1944). Dokumentenauswahl und Einleitung von Norbert Müller unter Mitarbeit von Uwe Löbel und Ulrich Freye, Berlin 1991(Bd. 5 Europa unterm Hakenkreuz. Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus 1938-1945.Achtbändige Dokumentenedition), Dok.-Nr. 7, S. 136.
[76] So Hitler auf einer Konferenz am 16.7. 1941. Das Protokoll der Sitzung ist auszugsweise abgedruckt in: Verbrecherische Ziele-Verbrecherische Mittel!, a.a.O. S. 60f.
[77] Ausführlich zu den „Dekompositions“- Absichten s. Ernst Piper, Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe, München 2005, S. 523ff.
[78] Ausführlich dazu Martin Seckendorf, „Den riesenhaften Kuchen handgerecht zerlegen“, in: „junge Welt“, Berlin vom 16.7.2011, S. 10f. sowie für das Baltikum ders., Reichsland Baltikum. Die Diskussion des Jahres 1941 um die deutschen Kriegsziele im Baltikum, in: Pro Finlandia 2001. Festschrift für Manfred Menger, Hg. Deutsch-Finnische Gesellschaft e.V., Reinbeck 2001, S. 304ff.
[79] Zit. n. Rolf-Dieter Müller, Von der Wirtschaftsallianz zum kolonialen Ausbeutungskrieg, in Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 4, a.a.O., S. 171.
[80] Zit. n. Ernst Piper, Alfred Rosenberg, a.a.O. S. 520.
[81] KTB/OKW, Bd. I/I,
S. 340f.
[82] Ebenda, S.341.
[83] Europa unterm Hakenkreuz, Bd. 5, a.a.O., Dok.-Nr. 1, S. 125.
[84] Ebenda, S. 123.
[85] Halder II, S. 335-337.
[86] Ebenda
[87] Halder II, S. 311, 328 u. 341.
[88] Zentrales Staatsarchiv Riga,P-1026-1-2, Bl. 52ff., zur Genese und Tätigkeit der Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD insgesamt Helmut Krausnick/Hans-Heinrich Wilhelm, Die Truppe des Weltanschauungskrieges. Die Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD 1948-1942, Stuttgart 1981 sowie Richard Rhodes, Die deutschen Mörder. Die Einsatzgruppen und der Holocaust, Bergisch Gladbach 2004.
[89] Zu den Befehlen für die Wehrmacht s.u.a. die entsprechenden Dokumente in: Europa unterm Hakenkreuz, Bd. 5 a.a.O.,S. 123- 145 sowie neuerdings Gerd R. Ueberschär/Wolfram Wette(Hg.), Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. „Unternehmen Barbarossa“ 1941, a.a.O. S. 246-264.
[90] Die Aufgaben für den Bereich SS- Polzei, insbesondere für die Einsatzgruppen beschreiben ausführlich Helmut Krausnick/Hans-Heinrich Wilhelm in: Die Truppe des Weltanschauungskrieges, a.a.O.
[91] Der Befehl ist als Faksimile abgebildet in: „junge Welt“ Berlin vom 24. 1.2011, S. 11.
[92] Tätigkeitsbericht der Panzergruppe 3/Ic Januar bis Juli 1941, Bundesarchiv Berlin, Nürnberger Prozeß, Fall XII, Bd. 334, Bl. 117.
[93] Zit. n. Götz Aly,
„Endlösung“. Völkerverschiebung
und der Mord an den europäischen Juden, a.a.O.,S.
270.
[94] Faksimile in: „junge Welt“ Berlin vom 24.1.2011, S. 11.
[95] Gert Robel, Sowjetunion, in: Dimension des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, hgg. von Wolfgang Benz, München 1991, ua. S.509ff.
[96] Zit. n. Manfred Messerschmidt, Die Wehrmacht im NS-Staat: Zeit der Indoktrination, Hamburg 1969, S. 326f.
[97] Zit. n. Andreas Zellhuber, „Unsere Verwaltung treibt einer Katastrophe zu…“, a.a.O., S. 75.
[98] Halder II, S. 320
[99] Europa unterm Hakenkreuz, Bd. 5, a.a.O. Dok.-Nr. 5, S. 133..
Der 65. Jahrestag der
Befreiung von Faschismus und Krieg.
Leitlinien
des
Vereins „Berliner Freunde der Völker Russlands e.
V.“
Die „Berliner Freunde“ würdigen den 8. Mai zusammen mit dem 9. Mai als „Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg“ und als „Tag des Sieges der Sowjetunion im Großen Vaterländischen Krieg“.
Berlin, den 13. März 2010 die Mitgliederversammlung
Leibnitz´
Russlandarbeit
Vortrag
von
Vorstandsmitglied Marga Voigt als Auftakt unserer Mitgliederversammlung
2010 im
65. Jahr der Befreiung vom Faschismus
Liebe
Freunde, liebe Gäste
unserer Mitgliederversammlung,
ich
habe
meinen Vortrag Leibniz’
Russlandarbeit genannt
und widme ihn der Theologin Liselotte Richter (1906-1968), der ersten
Frau in
Deutschland, die auf eine Professur für Philosophie berufen
wurde.
Ich
danke für die
Aufmerksamkeit.
Berlin,
13. März 2010
Marga
Voigt