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    TROIKA

 INFORMATIONSBLATT DER BERLINER FREUNDE DER VÖLKER RUSSLANDS e.V.


September 2010


65. Jahrestag der Befreiung
von Faschismus und Krieg.
Rückschau

Wir blicken auf einen Jahrestag zurück, der
über mehrere Monate Bezugspunkt für Veranstaltungen,
Ausstellungen, Publikationen,
Erinnerungen, Medienberichte, geschichtliche
und politische Debatten sowie vieler Feierlichkeiten
war.
In Russland war der diesjährige 9. Mai der
große nationale Feiertag, den Millionen Bürgerinnen
und Bürger, darunter die noch verbliebenen
ca. 400 000 Veteranen des Krieges,
festlich, freudig, stolz und mit Tränen in den
Augen begingen.
Erstmals nahmen an der traditionellen Militärparade
in Moskau Abordnungen der GUS-Staaten
und der NATO-Mitgliedsländer Polen,
Frankreich, Großbritannien und USA –
gewissermaßen unter der Losung:
„Wir siegten gemeinsam“ – teil.
Stalin wurde aus der Plakatserie „29 Marschälle
des Sieges“, gedacht zur Ausschmückung
einiger Plätze, herausgenommen. Beides
entfachte heftige Diskussionen und Emotionen.
Der russische Staat gab für die Feierlichkeiten
über dreißig Millionen Euro aus – materielle
Grundlage für die patriotische Würdigung eines
weltgeschichtlichen Sieges und derer, die
ihn unter großen Opfern gemeinsam errangen.
In Deutschland wurde dieser welthistorische
Sieg über Hitlerdeutschland und seine Verbündeten
sehr deutlich als Befreiung von den
Schrecken des Krieges, von faschistischer
Gewaltherrschaft und als Auftakt zum Neubeginn
wahrgenommen.
Selbst die Bundeskanzlerin Angela Merkel
in Moskau und andere Repräsentanten von
Regierungen, wie der Berliner Senat, und Parlamenten
mussten dem Tribut zollen. Der
Wunsch, den 8. Mai zum nationalen Gedenktag
der Befreiung vom Faschismus / Nationalsozialismus
durch eine entsprechende staatliche
Festlegung zu erklären, wurde zu einer
unüberhörbaren Forderung, um deren Erfüllung
weiter gerungen werden muss. Unser
Verein hat diese schon zum 60. Jahrestag der
Befreiung erhoben und stellt sich auch heute
diesem Anliegen (siehe S. 4). Viele unserer
Mitglieder und Sympathisanten haben mit
großem Engagement am Jubiläum teilgenommen;
unser Verein hat mit seinen Veranstaltungen,
mit Vorträgen und Publikationen
von Mitgliedern erfolgreich gewirkt.
Der Vorstand dankt herzlich allen Mitgliedern
und Sympathisanten, die zum Gelingen dieses
Jubiläums beigetragen haben.

Prof. Dr. Horst Schützler

Wenn einer eine Reise tut …
Berlin–Moskau–Magnitogorsk
und zurück in 95 Stunden

Ja, das sind rund 6 000 km. In meinen kühnsten
Gedanken hätte ich es nicht für möglich
gehalten, dass ich noch einmal nach Moskau
und etwas weiter kommen würde.Doch der
Reihe nach:
Ende April fragte mich der Vorsitzende unseres
Vereins, Cyrill Pech, ob ich Willens und
auch gesundheitlich in der Lage sei, einer Einladung
des Moskauer Fernsehsenders NTW
zur Teilnahme an der Produktion eines Dokumentarfilms
zu folgen. Als Termin war der
9. Mai, der Tag des Sieges im Großen Vaterländischen
Krieg, vorgesehen. Da war die Zeit schon
etwas knapp. (Ich musste mir ja einen neuen Reisepass
und das erforderliche Visum besorgen.)
Allerdings änderte sich der Terminplan.
Am 14. Mai wurde es dann ernst. In der Botschaft
der Russischen Föderation traf ich vormittags
mit Katja, einer Mitarbeiterin des
Senders NTW, und dem Kameramann Sergej
zusammen, die bis zum Ende der Reise meine
guten Begleiter und ständig bemüht waren,
mir die mit solch einem Unternehmen verbundenen
Strapazen so gut wie möglich zu erleichtern.
Schon nach Mitternacht, Sonnabend, den
15. Mai, hob der Flieger in Schönefeld ab. Gegen
5 Uhr Moskauer Zeit trafen wir auf dem
Flughafen Scheremetjewo ein. Nun ging es mit
einem Auto durch die erwachende Stadt.
Schon auf dieser Tour gewann ich erste Eindrücke;
das letzte Mal war ich 1981 in Moskau
gewesen. Wie hat sich die russische Metropole
verändert! Ich war echt fasziniert. Schließlich
erreichten wir das Hotel „Lunachod“, wo ich
etwas ausruhen konnte. Am Nachmittag ging
es zum Poklonnaja Hügel, auf dem sich eine
Gedenkstätte des Sieges im Großen Vaterländischen
Krieg befindet. Auch hier Filmaufnahmen.
Hier ist einzufügen, dass die sprachliche Verständigung,
bei bestem Bemühen von Katja,
nicht immer einfach war. Und natürlich wurde
auch für das leibliche Wohl gesorgt.
Indessen war es Nachmittag und wir fuhren
wieder ins Zentrum der Stadt, vorüber an vielen
neuen Hochhäusern. Nur selten erspähte
ich Bekanntes (den Kreml und den Roten
Platz bekam ich nicht zu Gesicht).
Wir fuhren zurück zum Hotel um meine Sachen
zu holen. Dann ging es weiter – zum Flughafen
Wnukowo. Wohin es gehen sollte, wusste ich
da noch nicht. Ich war ziemlich überrascht, sah
das Drehbuch doch ein Treffen mit einem russischen
Veteranen des Großen Vaterländischen
Krieges vor. Dieser aber befand sich zurzeit
„etwas außerhalb“. Das aber war Magnitogorsk.
Deshalb ging meine Reise am Abend des
15. Mai weiter in die Stadt am südlichen Ural.
Kurz vor Mitternacht trafen wir dort ein, bei einer
weiteren Zeitverschiebung von zwei Stunden.
Eine Stunde später „landete“ ich im Hotel
„Ural“, nahe der Moskowskaja Uliza. Da war es
aber auch Zeit, etwas auszuruhen.
Sonntag, den 16. Mai, nachmittags fand der
„Dreh“ mit Anatoli Iwanowitsch, dem 87-
jährigen Veteranen statt, der sich im städtischen
Krankenhaus von Magnitogorsk aufhielt.
Ich traf ihn im Krankenzimmer, in dem sich
noch seine Frau und ein weiterer Patient befanden.
Ich muss gestehen, dass mir dies alles sehr
nahe ging. Mit meinem geringen russischen
Wortschatz unterhielt ich mich auch mit Anatolis
Frau (im gleichen Alter wie ich, 82 Jahre),
die mir erzählte, dass eine ihrer Großmütter
Deutsche war. Nachdem die „Arbeit“ erledigt
und unser Dreier-Team essen war (das musste
auch mal sein), unternahmen wir eine ausgedehnte
Rundfahrt durch Magnitogorsk. Diese
Stadt, die ja während des ersten Fünfjahr-planes
der UdSSR zwischen 1928 bis 1931 als „Stadt
vom Reißbrett“ entstand, wird von schnurgeraden
Straßen durchzogen: Prospekt Lenina,
Prospekt Marksa, Uliza Woroschilowa usw. Ein
Erlebnis besonderer Art war für mich die Überquerung
des Ural-Flusses, der Grenze zwischen
Europa und Asien. So ging der zweite Tag meiner
Russlandreise zu Ende.
Der 17. Mai begann mit einer neuen Überraschung:
Der „Dreh“ mit Anatoli musste aus
technischen Gründen wiederholt werden, dieses
Mal nicht im Krankenhaus, sondern in einer
Anlage nebenan. Am Nachmittag unternahm
ich einen Bummel durch die Stadt. So lernte ich
die nähere Umgebung des Hotels, die wir bis
dahin mit dem Auto durchfahren hatten, etwas
genauer kennen. So endete der dritte Tag.
Am 18. Mai, kurz nach 6 Uhr morgens, ging es
dann zum Flughafen Magnitogorsk und in der
zehnten Stunde von da zurück nach Moskau.
Kurz nach dem Start erlitt ich einen kleinen
Schwächeanfall. Katja, die sehr besorgt war
(und ja auch Verantwortung für mein Wohl
und Wehe übernommen hatte), verständigte
die Flugbegleitung und bei der Ankunft in
Moskau-Wnukowo wurde ich vom Flieger direkt
mit einem Sanka in den Medpunkt befördert
und einer Ärztin vorgestellt. Von dem Gespräch
zwischen ihr und Katja verstand ich so
gut wie nichts, entnahm aber den Gesten, dass
mein Blutdruck ziemlich gesunken war. Mir
wurde deutlich gemacht, dass ich unbedingt
Ruhe brauchte. Dadurch aber wurde aus dem
noch vorgesehenen Treffen mit russischen Veteranen
nichts. Gerade darauf hatte ich mich
vorbereitet und gefreut. An dieser Stelle ist die
große Fürsorge der russischen Freunde, besonders
von Katja, hervorzuheben.
Wir fuhren dann wieder lange durch die Stadt
und trafen gegen Mittag im Hotel „Lunachod“
ein, in dem ich am Tag meiner Ankunft in
Moskau ja schon ein paar Stunden weilte. Ich
ruhte noch etwas aus und gegen 14 Uhr kamen
mit Katja zwei andere Mitarbeiter des
Senders NTW, die im Hotelzimmer noch ein
paar Filmaufnahmen mit mir machten.
Nun begann die Heimreise. Im Hotel überreichte
ich Katja und auch dem Kameramann
Sergej ein kleines Souvenir aus Berlin.
Etwa 18 Uhr Moskauer Zeit sollte der Flieger
starten. Vom Hotel fuhren wir nun durch die um
diese Tageszeit besonders belebten Straßen –
mehr Stop als Go. Immer wieder wurden wir
durch das Rot der Ampeln aufgehalten. Noch
einmal sah ich das neue Moskau, wieder aus einem
anderen Blickwinkel. Aber die Zeit lief.
Katja informierte per Handy den Flughafen und
teilte mit, „dass der Passagier H. S. auf dem
Weg ist“. Jetzt wurde es etwas eng. Noch
15 Minuten bis zum Start! Wir erreichten den
Flughafen Domodedowo. Katja half mir bei der
Passkontrolle. Dann verabschiedeten wir uns.
Einige Hürden waren noch zu nehmen, und ich
war mitten unter vielen Fluggästen doch allein.
Der Sicherheitscheck war zu passieren. (Die
metallene Gürtelschnalle meiner Hose wurde
zum Risikofaktor und schlug Alarm.) Zu guter
Letzt erreichte ich mit Hilfe eines Passagiers,
dessen Ziel auch Berlin war, das richtige Gate
und nahm erleichtert in der Maschine Platz, die
gegen 18:30 Uhr MEZ in Berlin-Tegel landete.
Fazit: Diese Reise, die ich nicht missen möchte
und die natürlich auch anstrengend war, wird
mir ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Allen,
die mich dabei unterstützt haben, gilt mein
Dank: den Freunden im Vorstand unseres Vereins
– besonders nenne ich Eugen Neuber,
ohne dessen großes Engagement das ganze
Unternehmen nicht stattgefunden hätte – und
den russischen Freunden Katja und Sergej vom
Sender NTW.

Hermann Sachse



Mai 2010

Erklärung zum 65. Jahrestag
der Befreiung vom Faschismus

Der 65. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg.
Leitlinien des Vereins
„Berliner Freunde der Völker Russlands e. V.“

 

Die „Berliner Freunde“ würdigen den 8. Mai zusammen mit dem 9. Mai als „Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg“ und als „Tag des Sieges der Sowjetunion im Großen Vaterländischen Krieg“.
Es waren die Menschen und Völker der Sowjetunion, die sich und ihr Land vor Unterwerfung, Versklavung und Vernichtung bewahrten und retteten. Sie erbrachten immense Leistungen und Opfer zur Niederringung Hitlerdeutschlands und seiner Verbündeten, zur Rettung der Weltzivilisation vor dem Faschismus und seiner Barbarei. Sie erzwangen im Bündnis mit ihren Alliierten die Niederlage und bedingungslose Kapitulation Hitlerdeutschlands und das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa und später in Asien. Das bedeutete Befreiung aus faschistischem Joch und öffnete den Weg zum Neubeginn, der in Ost und West sehr unterschiedlich beschritten wurde.
Der 65. Jahrestag des Sieges und der Befreiung ist für die „Berliner Freunde der Völker Russlands“ Anlass zur Erinnerung und zur Besinnung auf die Lehren des Krieges. Sie erfassen dieses Jubiläum als deutliche und dringliche Mahnung zu Frieden und Menschlichkeit in einer Welt, in der Kriege geführt werden und weitere drohen, Terrorismus die Menschen in Schrecken setzt und menschliche Not, menschliches Elend weltweit in Erscheinung tritt.
Für die „Berliner Freunde der Völker Russlands“ ergibt sich als Mahnung des Krieges, es nie wieder zu einer deutsch-russischen Konfrontation kommen zu lassen, ein friedliches, kooperatives, ja freundschaftliches Verhältnis zwischen Deutschland und Russland zu pflegen, das seine Basis in stabilen demokratischen Verhältnissen in beiden Ländern findet.
Die „Berliner Freunde der Völker Russlands“ werden entsprechend ihren Möglichkeiten an einer würdigen Gestaltung des Jubiläums mitwirken.

Berlin, den 13. März 2010

Mitgliederversammlung



Die Befreiung Berlins und
der Neubeginn

Nach dem Überfall Hitlerdeutschlands und seiner Verbündeten auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 und dem Eindringen der faschistischen Truppen tief in das Innere des Landes bis Moskau, Leningrad, Stalingrad und den Kaukasus befreite die Rote Armee in Umkehr des Kriegsverlaufs die okkupierten Landesteile, die osteuropäischen  Länder und drang in Deutschland ein.
Anfang 1945 stand die Rote Armee an der Oder in der Nähe Berlins. Am 16. April begann nach gründlicher Vorbereitung die Berliner Operation. Diese war nach ihrem Ausmaß, der Anzahl der teilnehmenden Truppen und ihrer Ausrüstung sowie der Hartnäckigkeit des geführten Kampfes und der damit verbundenen Verluste eine der größten Schlachten des Zweiten Weltkrieges. Sie brachte das Ende dieses furchtbaren Krieges in Europa.
Seit dem 21.
 April drangen die sowjetischen Truppen durch die Berliner Vororte, sich den Weg Straße um Straße freikämpfend, in das Innere der Stadt vor, in der über zwei Millionen, Frauen und Kinder, Alte und Kranke, oft ohne Lebensmittel und Wasser, in Angst und Schrecken dahinlebten. Am 22. April wurden Rosenthal, Buchholz, Blankenburg, Weißensee, Biesdorf und Mahlsdorf besetzt. Am 23. April waren es Köpenick, Pankow und Marienfelde. So folgte ein Stadtteil nach dem anderen.
Am 25. April vereinigten sich westlich von Berlin, bei Ketzin, Einheiten der 1. Belorussischen Front und der 1. Ukrainischen Front. Sie schlossen damit die deutschen Truppen in Berlin ein und vereitelten jeden Ausbruchs- und Entsatzversuch. Nach zehn Tagen und Nächten schwerer Kämpfe wehte am Morgen des 1. Mai über dem zerstörten Reichstagsgebäude das rote Banner des Sieges. Am folgenden Tag stellten die Reste der geschlagenen faschistischen Truppen den sinnlosen Widerstand ein.

Siegesfahne der 3. Stoßarmee, 1. Belorussische Front

Ein sowjetischer Kriegskorrespondent schrieb an diesem Tag einen treffenden Bericht über die Lage in der Stadt, den manche Fernsehdokumentationen jüngst bildhaft grausam bestätigten: „Ja, Berlin ist furchtbar verwüstet. Kein Transportwesen, kein Telefon, fast kein Wasser, Hunger, überall Ruinen, ganze Stadtviertel sind unpassierbar durch Trümmer, Barrikaden ... Die Bevölkerung ist dem Tode durch Hunger, Durst und Seuchen geweiht, falls wir nicht sofort und drastisch eingreifen und die Berliner nicht selbst den notwendigen Lebenswillen und Energie beweisen.“
Beides geschah! Am 28. April, als im Stadtkern noch schwere Kämpfe tobten, gab Generaloberst Nikolai E. Bersarin, Oberbefehlshaber der 5. Stoßarmee, mit dem Befehl Nr. 1 seine Ernennung zum Stadtkommandanten von Berlin bekannt, und er traf grundlegende Festlegungen zur Normalisierung des Lebens in der Stadt. Es wurden Kommandanturen gebildet und deutsche Verwaltungsorgane mit Bürgermeistern an der Spitze eingesetzt.
Die Bevölkerung wurde zu Aufräumungs- und Instandsetzungsarbeiten herangezogen.
Es wurde ein Magistrat mit Oberbürgermeister Dr. Arthur Werner an der Spitze gebildet und am 20. Mai von Generaloberst Bersarin feierlich in Amt und Aufgaben eingeführt. Zu dieser Zeit kam die lebenswichtige geregelte Lebensmittelversorgung für die Berliner zum Tragen. Diese sei hier als Beispiel in Erinnerung gerufen.
Auf Empfehlung des Staatlichen Verteidigungskomitees, der höchsten Regierungsinstanz der UdSSR, beschloss der Kriegsrat der 1. Belorussischen Front am 11. Mai zur Sicherung der Lebensmittelversorgung Berlins die Herausgabe von zwei Millionen Lebensmittelkarten. Ab 15. Mai wurden für die Berliner Nahrungsmittel geliefert und bereitgestellt.
Zwei Autoregimenter mit rund 2000 Fahrzeugen wurden eingesetzt, ca. 5000 Berliner arbeiteten auf den Kartoffelverladeplätzen außerhalb der Stadt, 235 Offiziere wurden zur speziellen Hilfe abkommandiert. Insgesamt stellte die sowjetische Besatzungsmacht bis Ende Juli 58 771,2 t Mehl, 11 015,9 t Grütze, 8 199,6 t Fleisch, 352,7 t Butterschmalz, 250,6 t Öl, 1 512,9 t Margarine, 97 589,6 t Kartoffeln, 3 527,2 t Salz, 5 221,3 t Zucker, 161,6 t Tee, 804,7 t Kaffee-Ersatz und 382,6 t Bohnenkaffee zur Verfügung. Milch für Berliner Kinder wurde aus der Umgebung geliefert. Bis zum 15. Juni wurden dem Magistrat 5 744 Kühe zur Milchversorgung übergeben. Mit dieser Hilfe wurde der Hungertod aus Berlin vertrieben, wenngleich in den folgenden Monaten die Lebensmittelversorgung der Berliner das aktuelle Problem blieb.
Mit der Unterstützung und Hilfe der sowjetischen Besatzungsmacht,
mit dem Drängen, den Beratungen, und der Autorität des Stadtkommandanten, Generaloberst Bersarin, der am 16. Juni 1945 bei einem Motorradunfall in Berlin-Friedrichsfelde tödlich verunglückte, und seiner Offiziere gemeinsam mit vielen Berlinern wurden in kurzer Zeit bei der Instandsetzung und Wiederinbetriebnahme der U- und Straßenbahn, der Elektrizitäts- und Wasserversorgung, bei der Öffnung von Gesundheits-, kommunalen und kulturellen Einrichtungen und Betrieben, der Wiederaufnahme eines behelfsmäßigen Schulbetriebes u. a. beachtliche Ergebnisse erreicht. Auch die Bildung und Tätigkeit antifaschistischer Parteien und Organisationen, wie sie der Befehl Nr. 2 des Obersten Chefs der Sowjetischen Militärverwaltung vom 10. Juni gestattete, kam in Gang und mobilisierte.
Als die Westalliierten Anfang Juli in ihre Sektoren einzogen, erkannten sie mit Befehl Nr. 1 der Alliierten Kommandantur die von den deutschen Verwaltungsorganen und der sowjetischen Besatzungsmacht durchgeführten Maßnahmen an. Es war deutlich: Berlin lebte, stand an einem Neubeginn. Dies bedeutete für die Mehrheit der Bevölkerung nicht die Bewältigung der Vergangenheit mit der klaren Sicht des einzuschlagenden Weges. Aber ein Anfang war gemacht – auch hin zu einem guten Verhältnis zwischen Befreiern und Befreiten. Beides wurde durch Verfehlungen und Gewalttaten von Angehörigen der Roten Armee gegenüber der Zivilbevölkerung, insbesondere Frauen, die – so sie bekannt wurden – streng geahndet wurden, erschwert.
Viele Jahre mit umstürzenden Veränderungen und Einstellungen sind inzwischen ins Land gegangen. Doch die Grundtatsachen der Wende vor 65 Jahren – die Befreiung vom Hitlerfaschismus, die Hilfe der Sowjetunion, der Aufbauwille der Berliner – sind auch heute gültig und sollten in dankbarer Erinnerung bleiben.

Horst Schützler

Erinnerung an unseren Aufruf

„Geschichten der Freundschaft“

Am 16. März hat sich erstmals eine „Redaktionsgruppe“ zusammengefunden, die eine Publikation vorbereitet, welche Erinnerungen von Mitgliedern und Sympathisanten des Vereins der Berliner Freunde der Völker Russlands an Erlebnissen und Ereignissen enthalten soll, aus denen Freundschaften mit Menschen der Sowjetunion/Russlands hervorgingen und die in der einen oder anderen Weise Bezüge zur Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus hatten bzw. haben. Der entsprechende Aufruf zur Beteiligung an diesem Vorhaben war an alle Freunde in der Troika ergangen (vgl. Troika vom September 2009). Nun liegen erste Beiträge vor und erste Schritte ihrer redaktionellen Fertigstellung erfolgen. Doch wir rechnen damit, dass die Zahl derjenigen, die berichten möchten, weiter zunimmt und bekräftigen an dieser Stelle das Anliegen des Aufrufs. Beiträge sind beim Vorstand einzureichen.

Die Redaktionsgruppe:

Prof. Dr. Horst Schützler, Dr. Sonja Striegnitz,
Marga Voigt, Joachim Hinz

Hinweis

Offizielle Kranzniederlegungen der Russischen Botschaft an den Mahnmalen in Treptow und Tiergarten finden am Freitag, dem 7. Mai 2010, wahrscheinlich gegen 10-11 Uhr statt. Genaue


Gedanken anlässlich des
65. Jahrestages der Befreiung

 

Der 8. Mai 2010 – vor nunmehr 65 Jahren war das grauenvolle Kriegsgeschehen, angezettelt und über ganz Europa ausgeweitet von Hitlerdeutschland, endgültig zu Ende. Es war wesentlich den gewaltigen Anstrengungen der Sowjetischen Streitkräfte zu danken, den Menschen des Landes, das von Nazideutschland 1941 mit einem mörderischen Krieg überzogen worden war, die unzählige Opfer erbracht, grenzenloses Leid ertragen hatten und unfassbaren Zerstörungen gegenüberstanden.


 
Für mich ist dieser Tag Anlass, neuerlich darüber nachzudenken, warum und mit welchem Ergebnis ich mich über diesen langen Zeitraum für einen der Sieger – Nikolai E. Bersarin –, für die Wiederherstellung seiner Würde in Anerkennung der von ihm vollbrachten Leistungen und Taten für Deutsche engagierte. Mit großer Genugtuung blicke ich wie die Berliner Freunde der Völker Russlands und viele, viele Bürger der Hauptstadt auf errungenen beachtlichen Erfolg.
Ein ganz wesentlicher Beweggrund, ja der entscheidende, bestand in der Tatsache, dass meine Kindheit von Ereignissen und Erscheinungen der Naziherrschaft und dann von Geschehnissen des Krieges geprägt wurde. In meiner Erinnerung ist da die erste bewusste politische Beobachtung am Morgen nach dem 9. November 1938, als ich die eingeschlagenen Fenster und Türen im Ladengeschäft eines jüdischen Friseurs erblickte. Mit dem Wort „Jude“ konnte ich zwar noch nichts anfangen. Aber das Gefühl, Unrecht erlebt, gesehen zu haben, prägte sich ein … Dann die Schmähungen „lieber“ Mitschüler ob meiner roten Haare („Rote Haare, Sommersprossen sind des Teufels Volksgenossen!“). Durch List und Erfindungsgeist meiner Mutter zwar der NAPOLA, der SS-Jugendkaderschmiede, entgangen, blieb mir am Ende des Krieges aber die Bilanz, dass ich keinen der über 400 Luftangriffe über Berlin „versäumt“ hatte. Vorzeitig war ich älter geworden als mein Geburtsschein auswies. Frühzeitig waren jedoch für mich auch Recht, Gerechtigkeit, Mitleidsfähigkeit (ich kann mich deutlich an den erbarmungswürdigen Anblick eines ostjüdischen Mädchens in Streichers Hetzblatt „Der Stürmer“ erinnern, mit dem die Macher bei der Bevölkerung punkten wollten) für mein ganzes Leben anzustrebende und zu praktizierende Ideale geworden.
Als nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten von einer Westberliner Politikerclique in niederträchtiger politischer Absicht versucht wurde, das Andenken an den ersten Berliner Nachkriegskommandanten Bersarin zu beschmutzen, hat mich dies aufgrund meiner Geisteshaltung zutiefst empört. Als Zeitzeuge und Ingenieur für Versorgungstechnik konnte ich schließlich die Leistungen des Generals wie seiner sowjetischen und deutschen Helfer in den ersten Nachkriegswochen im zerstörten Berlin auch aus beruflicher Erfahrung hinreichend beurteilen (und bewundern!). Aus Gründen der Gerechtigkeit war für mich Widerstand gegen solches Verhalten, solchen Umgang mit einer wahrhaft historischen Persönlichkeit geboten.
Darüber, was ich konkret unternahm, wie ich auf Mitstreiter stieß, was wir gemeinsam erreichten und dass mir in diesem Zusammenhang in den Nachkommen des Generals liebe,   verehrenswürdige Freunde erwuchsen, berichte ich aus gleichem Anlass an anderer Stelle ausführlicher.*

                                                        Gert Porsche

* Gert Porsche hat einen Beitrag für die „Geschichten der Freundschaft“ verfasst, die der Verein anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung vorbereitet.

Russlands europäische Sicherheitspolitik ohne Illusionen


Freundschaftliche Begegnungen in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten prägen mein Verständnis für heutige russische Innen- und Außenpolitik.
Wirtschaftliche, wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit und Modernisierungspartnerschaft zwischen Deutschland und Russland sind eine gute Voraussetzung für gegenseitiges Vertrauen zwischen unseren Ländern und für ein gesamteuropäisches Sicherheitssystem.
Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland entwickelt sich erfolgreich. 6000 deutsche Firmen haben in Russland Niederlassungen bzw. sind Neugründungen. Bedeutende Perspektiven eröffnen sich durch das Programm „Modernisierungspartnerschaft“. Doch in den Berichten deutscher Massenmedien werden vorrangig russische Bedenken und Zweifel an der Zuverlässigkeit europäischer und deutscher Sicherheitspolitik in den Mittelpunkt gestellt. Die Ostausdehnung sowie die Ignorierung des UN-Sicherheitsrates durch die NATO haben in Russland verständliche Befürchtungen einer Bedrohung hervorgerufen. In deutschen Medien finden sich aber bis heute die Theorien verblichener Militärdoktrinen der USA aus der Zeit des Kalten Krieges kritiklos und undifferenziert wieder.
Auch in Russland hat der Kalte Krieg Spuren hinterlassen. Das Ende des Vietnam-Kriegs der USA wurde von Protesten in der ganzen Welt unterstützt. Die Sowjetunion half Nordvietnam mit Waffen und bei der Ausbildung von Piloten. Sie holten die strategischen US-Bomber B52 siegreich vom vietnamesischen Himmel. „Die Amerikaner hatten damit gedroht, Vietnam in die Steinzeit zu bomben. Die Sowjetunion erklärte, das nicht zuzulassen“, berichtete mir ein ehemaliger sowjetischer Instrukteur. Er sah mich an und sagte: „Wie kann man erklären, im Interesse der freiheitlich-demokratischen Ordnung, das Mekongdelta ausradieren zu müssen?“
Die Russen wollen keinen Krieg. Sie wollen mit ihren Nachbarn friedlich zusammenleben. Sie haben in ihrer Geschichte allerdings viel Schreckliches erlebt. Das „Neue Denken“ der Perestroika hob die Priorität politischer Mittel für die Konfliktlösung hervor. Dennoch sollte für Gewaltpolitiker und Abenteurer klar sein, dass Russland die Bereitschaft und die Fähigkeit zum Schutz seiner Völker und ihrer legitimen Rechte stets sichern wird! In aktuellen Gesprächen mit russischen Bürgern, in Diskussionsrunden im russischen Internet und Fernsehen, in den Äußerungen russischer Politiker wird immer wieder betont: „Wir wollen nicht über, aber auch nicht unter anderen Völkern leben. Wir wollen gleiches Maß!“

Siegesmedaille zum 65. Jahrestag des Sieges über den Hitlerfaschismus

Wie oft wurden und werden Handlungen Russlands in deutschen Medien einseitig be- und verurteilt, obwohl sie nur dem Schutz des eigenen Landes dienen. Außenpolitik ist häufig recht kompliziert und nicht sehr durchsichtig. Gleichzeitig ist eine Grundfrage sehr einfach: Sind die Teilnehmer an der internationalen Politik bereit, Russland die gleichen Rechte wie sich selbst zuzubilligen? Heute sollten alle, die der Opfer des Zweiten Weltkrieges gedenken, die den 65. Jahrestag der Befreiung auch des deutschen Volkes würdigen, über die deutsche Verantwortung für eine stabile Sicherheit in Europa unter unbedingter gleichberechtigter Teilnahme Russlands nachdenken. Frieden und Wohlstand auf unserem Kontinent werden nur dann real, wenn von allen Beteiligten mit gleichem Maß die Sicherheitsinteressen aller Länder berücksichtigt werden.Wie die Entstehungsgeschichte des Zweiten Weltkrieges zeigt, müssen alle Versuche, die eigene Sicherheit auf Kosten der Sicherheit anderer Staaten zu erreichen, zu schrecklichen Fehlentwicklungen führen. Das Beispiel des „Münchener Abkommens“ ist für mich bis heute ein überzeugender Beweis für die Verderblichkeit einer solchen Politik. Die Bedrohung der Weltzivilisation durch den Faschismus hat das Gewissen denkender Menschen mobilisiert und über alle Konflikte hinweg das notwendige Bündnis der Alliierten gegen die Barbarei Wirklichkeit werden lassen. Auch heute müssen Verantwortungsgefühl und Gewissen gegen die Bedrohungen des Weltfriedens geweckt werden.
Der russische Außenminister Lawrow hat auf der Münchener Sicherheitskonferenz erneut die Bereitschaft Russlands zu weitgehenden, auch nuklearen, Abrüstungsmaßnahmen erklärt. „Gleiches Maß“ erfordert adäquate Handlungen. Weshalb haben z. B. die USA das nukleare Teststoppabkommen bis heute nicht ratifiziert? Weshalb haben die USA die nuklearen Sprengköpfe der de-montierten Mittelstreckenraketen nicht vernichtet, wie Russland, sondern eingelagert? „Vertrauensfördernde Maßnahmen“, „Interdependence“, (das Prinzip der „gegenseitigen Abhängigkeit“), „Achtung des Status quo“ – die Grundpfeiler der Schlussakte von Helsinki – werden heute viel zu wenig verwendet. Übrigens werden diese Fragen jetzt selbst von ehemaligen „Falken“ des Kalten Krieges der USA gegen die Sowjetunion öffentlich gestellt. Die Fortschritte bei der Begrenzung der strategischen nuklearen Angriffswaffen und ihrer Trägermittel durch den neu vereinbarten START-Nachfolgevertrag geben Anlass zu Hoffnung. Dennoch bleiben viele Probleme ungelöst, wie z. B. der Aufbau eines strategischen Raketenabwehrsystems der USA in Nähe der Grenzen zu Russland. Lawrow stellte in München enttäuscht fest, dass die Regularien der Konferenz für Sicher-heit und Zusammenarbeit in Europa kaum noch Wirkung haben, wenn die NATO Angriffskriege gegen andere Länder unternehmen will. Es habe sich die Praxis herausgebildet, allein der NATO die Wahrung der Sicherheitsinteressen zu überlassen. Eine Partnerschaft mit Russland sollte die Bereitschaft einschließen, eigene Sicherheit nicht auf Kosten der Sicherheit Russlands aufzubauen.
1945 erklärten Antifaschisten in ganz Deutschland, alles zu tun, damit von deutschem Boden nie wieder Krieg ausgeht. Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland können entscheidend sein für einen sicheren Frieden in Europa und in der Welt. Ich sehe meine Teilnahme an der Arbeit unseres Vereins „Berliner Freunde der Völ-ker Russlands“ in diesem Sinn auch als Verpflichtung gegenüber meinen Freunden in der früheren Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten.

Eugen Neuber

Tagebuchaufzeichnungen

Unser langjähriges Mitglied, Frau Dr. Vera
Feyerherd, übersandte uns für den Band „Geschichten der Freundschaft“ ihre Tagebuchaufzeichnungen aus den letzten Tagen des Krieges, die sie in Kaulsdorf-Süd erlebte. Wir zitieren Auszüge daraus:
Sonntag, 15. April 1945
Heute war mein einundzwanzigster Geburtstag. Am Nachmittag begann unser Haus zu beben. Ununterbrochen hörte man das Heulen der Katjuschas. Die Offensive an der Oder hatte begonnen. Jetzt werden uns die Kriegsereignisse wohl überrennen.

Grafik: Vera Feyerherd "Feuervogel"

Freitag, 20. April 1945
Ich pflanzte Kartoffeln. Wie gefährliche Insekten brummten russische Tiefflieger über mir in der Luft. Hin und wieder flog ein von Jagdfliegern abgeschirmter Bomberpulk der Reichshauptstadt entgegen. ... Niemand fürchtet die russischen Kampfflugzeuge. Sie greifen in die Schlacht um Berlin ein. Einzelne Zivilisten unter ihnen interessieren sie nicht. Die Kampfflugzeuge flogen so tief über uns hinweg, dass man die Pilo-ten fast sehen konnte. Das Wetter war herrlich. Es ließ Gedanken an drohende Gefahr kaum aufkommen. Die Bäume begannen zu blühen. Es wurde Nachmittag und es wurde Abend. Der Strom war den ganzen Tag abgeschaltet, so dass wir weder Nachrichten hören, noch die Luftlage verfolgen konnten. ... Erst in der Dämmerung ging ich ins Haus, um mich zu waschen und mich für den täglichen Gang zum Luftschutzbunker fertig zu machen. Es wurde zu spät. ... Jeden Augen-blick konnten die Bomber folgen. ... Eng zusammengepfercht saßen wir alle in einem kleinen Kellerloch unter der Treppe. Fieberhitze stieg in mir hoch, als ein Geschwader nach dem anderen ganz tief über unser Haus hinwegbrauste. Eine Bombe nach der anderen detonierte. Die Einschläge kamen immer näher, und lange vorher hörte man es rauschen und brausen, unheilvoll. ... Das Blut hämmerte mir in den Schläfen. Gegen drei Uhr war alles vorbei. Lange konnte ich keinen Schlaf finden. In der Ferne fielen noch immer Bomben.
Sonnabend, 21. April 1945 Eine Frau ging eilig an unserem Haus vorbei. „Panzerspitzen sind schon im Wald“, rief sie uns zu. Gewehrschüsse und Maschinengewehrsalven fegten durch die Straßen. Irgendwo in der Umge-bung barsten Panzerfäuste. Das Kriegsgeschehen hatte Kaulsdorf-Süd erreicht, so schien es...
Sonntag, 22. April 1945
Straßenkämpfe versetzten uns in Angst und Schrecken. Maschinengewehrgarben russischer Tiefflieger peitschten durch die Straßen und jagten deckungs-lose deutsche Soldaten hin und her. ... In der Nacht krepierten wieder Granaten, Flieger brummten, das Haus bebte ...
Montag, 23. April 1945
Eiliger Durchmarsch der Russen. Es waren die ersten, die wir zu Gesicht bekamen. Ungeordnet zog eine lehmfarbene Kampfeinheit an unserem Haus vorbei. Auf den sonnengegerbten Gesichtern der Soldaten zeigt sich eine durch Kampf und Entbehrungen entstandene unberechenbare Wildheit. Erdfarbene Gestalten eilten in verschwitzten Hemdblusen und lehmverkrusteten schweren Stie-feln im Sturmschritt an uns vorbei. An ihren Gürteln klirrten die Feldgeschirre. Sie schienen von der Begierde vorwärts getrieben zu sein, den Feind in seiner Hauptstadt vernichtend zu schlagen, um endlich heimkehren zu können. ... Den Tod vor Augen schien sie weder Befehl noch Verbot zu lenken und zu leiten, wohl aber eine zielgerichtete innere Kraft. ... Ich blickte ihnen nach, bis sie mir aus den Augen waren. Die Gewehrläufe der letzten Soldaten blitzten noch einmal in der Sonne auf, dann hing nur noch ein strenger Geruch in der Luft ...

Vera Feyerherd

Leibniz’ Russlandarbeit

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) erkannte die welthistorische Dimension, als Russland in der Person des Zaren Peter I. in das neuzeitliche Staatssystem Europas eintrat und damit das Feld der europäischen Politik betrat. Für Leibniz war Russland die Mitte zwischen China und Europa, und Deutschland und Berlin – die Mitte zwischen Westeuropa und Russland. Und in dieser Mittelstellung sah er ein fruchtbares Geben und Nehmen im Aufschwung einer lebendigen wissenschaftlichen und kulturellen Aufwärtsentwicklung. Feindseligkeit, also dem Entweder-Oder, vermochte Leibniz ein gerechtes Sowohl-als-Auch entgegen-zusetzen. Beinahe zwei Jahrzehnte arbeitete der Gelehrte unermüdlich an vielfältigen Plänen für die Aufrichtungen der Wissenschaften und Künste im Russischen Reich und gab seine Denkschriften zur „fleißigen Bewerkstellung“ an des Zaren Hof weiter – wahrlich ein humanitärer Einsatz!
Leibniz’ Russlandbild vor mehr als 300 Jahren bezeugt eindrücklich, wie weit seine europäische Vision an der Jahrhundertwende des 17. zum 18. Jahrhundert reichte und welchen ehrenwerten Platz er Russland darin zugedachte.
Davon zeugt 1946 – ein Jahr nach Kriegsende – die Schrift „Leibniz und sein Russlandbild“ der Philosophin Liselotte Richter.
Heute zählen wir das 65. Jahr nach Kriegsende. Die wissenschaftlichen, kulturellen und histori-schen Leistungen Russlands und der Sowjetunion gingen weit über das hinaus, was Leibniz erahnen konnte. Sie sollten auch heute, im 65. Jahr der Wiederkehr des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg und im gemeinsamen Sieg der Alliierten Mächte über Hitlerdeutschland, nicht gering geschätzt werden.
Ich erinnere an meine Gründe, die ich im vergan-genen Jahr vortrug, als ich für den Vorstand des Vereins „Berliner Freunde der Völker Russlands“ kandidierte. Und ich werde nicht müde, es Jahr um Jahr zu wiederholen: Wahre Völkerverständi-gung braucht Freundschaftsarbeit als ein hohes Gut der Friedenserhaltung zwischen den Völkern.

Marga Voigt

Vor 65 Jahren:
Ende der Zwangsarbeit

Vor 65 Jahren schlug auch die Stunde der Befreiung für die überlebenden Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, die als Arbeitssklaven für den Feind arbeiten mussten. Innerhalb des Deutschen Reiches wurden während des Zweiten Weltkriegs über 13 Millionen »Fremdarbeiter«, »Arbeitsjuden«, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge ausgebeutet. Weitere Millionen Frauen, Männer und Kinder arbeiteten in den besetzten Gebieten für die Deutschen. Die meisten von ihnen waren Polen, Russen, Weißrussen und Ukrainer. In der rassistischen Naziideologie nahmen die Menschen aus der Sowjetunion als sogenannte Ostarbeiter den untersten Platz ein. Sowjetische Kriegsgefangene und „Ostarbeiter“ mussten oft die schwersten Tätigkeiten verrichten, bekamen die schlechteste Versorgung und ihre „Vernichtung durch Arbeit“ war zynisches Kalkül der Nationalsozialisten.
Die Zwangsarbeiter, ebenso die sowjetischen Kriegsgefangenen, gehörten in den Jahren nach Kriegsende lange Zeit zu den vergessenen Opfern des Nationalsozialismus. Die von der Sklavenar-beit profitierenden deutschen Unternehmen leugneten jahrelang ihre Verantwortung und lehnten jede Form von Entschädigung ab (von wenigen Ausnahmen abgesehen).
Erst im Jahr 2000 wurde mit der Gründung der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (Stiftung „EVZ“) eine von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam getragene Initiative ergriffen, um die Auseinandersetzung mit nationalsozialistischem Unrecht wach zu halten, für Völkerverständigung einzutreten und Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter zu leisten. Insgesamt sind 4,4 Mrd. Euro an über 1,66 Millionen Zwangsarbeiter in fast 100 Ländern ausgezahlt worden. Diese Zahlungen wurden 2007 ab-geschlossen. Das bedeutet kein Ende des Engagements für die Opfer des Nationalsozialismus und der Auseinandersetzung mit der Geschichte.
Die Stiftung „EVZ“ fördert zahlreiche Projekte, um die Erinnerung an das nationalsozialistische Unrecht für kommende Generationen wach zu hal-ten. Gegenwärtig erarbeiten Mitarbeiter der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora eine Dokumentation der NS-Zwangsarbeit, die als Wanderausstellung an verschiedenen internationalen Orten präsentiert wird. Bundespräsident Horst Köhler ist Schirmherr der Ausstellung, die am 27. September 2010 im Jüdischen Museum Berlin eröffnet wird.


Dr. Lutz Prieß

►Tipps und Hinweise

7. Mai 2010, 16.00 Uhr Festliche Veranstaltung aus Anlass des 65. Jahrestages der Befreiung des deutschen Volkes und ganz Europas von Faschismus und Krieg
im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin, Friedrichstraße 176-179, Kartenverkauf: Geschäftsstelle der GBM e.V., Weitlingstraße 89, 10317 Berlin, Telefon: 030-5578397

8. Mai 2010, 17.00 Uhr
Kundgebung am Denkmal „Mutter Heimat“ im sowjetischen Ehrenmal in Berlin Treptow. Es sprechen: Prof. Dr. Heinrich Fink und Oberst a. D. Marat Jegorov, Belarus
Auftritt des Kinder- und Jugendchores „Sadako“, anschließend Kranzniederlegung

9. Mai 2010, 11.00 bis 22.00 Uhr
Deutsch-Russisches Volksfest, Treptower Park, Puschkinallee, Parkplatz Rosengarten

9. Mai 2010
Symbolischer Marsch von Kriegsveteranen vom Reichstag zum Sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten, Informationen über GBM: Telefon: 030-557839

9. Juni 2010
Besuch der Gedenkstätte Seelower Höhen.       
Führung, Film und Aus-sprache mit dem Leiter der Gedenkstätte,
Herrn Gerd-Ulrich Herrmann
Abfahrt 9.00 Uhr Karl-Marx-Allee/Ecke Otto-Braun-Straße (Parkplatz Otto-Braun-Straße 70-72)
Kostenbeitrag 10,00 €







 


 

 
 Januar 2010

Sowjetisches Ehrenmal "Seelower Höhen"

N e u j a h r s g r u ß

"Friede den Menschen guten Willens"

Eine überwältigende Mehrheit der Menschen will Frieden – das wurde schon vor zweitausend Jahren in der oben zitierten Botschaft aus der Bibel formuliert –, aber trotzdem werden jetzt gerade wieder immer mehr Mittel für die Rüstung ausgegeben!

Nun hat im alten Jahr der russische Präsident, Dmitri Medwedjew, grundlegende Vorschläge zur Einschränkung der Rüstung gemacht und Russlands Partnerschaft für eine gesamteuropäische Sicherheitsstrategie angeboten.                                                                                                                                    
Wir wissen, dass es in einem Wirtschaftssystem, in dem Rüstung die höchsten Profite bringt, nicht einfach ist, von der Vernunft und dem Sehnen der Menschen diktierte Abrüstungsprojekte in die Tat umzusetzen.

In diesem Jahr, dem Jahr 2010, begehen wir den 65. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus. Dieser Tag ist uns erneut Mahnung, dass wir dafür Sorge tragen müssen, dass von Deutschland nur Frieden ausgehen sollte und nie Krieg.

Wir haben uns bei unserer Jahresabschlussfeier am 12. Dezember  2009 an das Bibelwort erinnert: „ Ein treuer Freund ist eine starke Stütze, wer einen solchen gefunden hat, hat ein Vermögen gefunden.“                                                 

Wir sind nicht materiell reich, aber wir haben ein Vermögen – unsere 
Freundschaft, und die bieten wir den Völkern Russlands an. Wir wollen wie früher die Sowjetunion,  heute Russland unterstützen in seinen Friedensbemühungen und wollen einen neuen Kalten Krieg verhindern helfen.

So bleibt unsere Freundschaft nicht nur ein schönes Gefühl oder eine folgenlose Behauptung.

Ich wünsche uns allen weiter viel Kraft zur Freundschaft und ein friedvolles Jahr 2010!

Cyrill Pech

Vorsitzender   

                                                                                      



 

 
September 2009


Nie wieder Krieg!

Anfang September 2009, wenn diese „TROIKA“ erscheint, drängt die Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkrieges mit dem Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen vor 70 Jahren in den Vordergrund. In vielfacher und sehr unterschiedlicher Weise wird dieses Ereignis, sowohl im persönlichen Rückblick, als auch in vielen Veranstaltungen, zahlreichen Publikationen und Medienszenarien behandelt werden. 

Übereinstimmung herrscht dabei zumeist über den verbrecherischen Charakter des faschistischen Überfalls auf Polen und der nachfogenden Kriegsführung Hitlerdeutschlands und seiner Vasallen. Meinungsverschiedenheiten und Anschuldigungen zur Haltung der Westmächte und der Sowjetunion am Vorabend des Krieges sind nicht zu übersehen – ich denke an Appeasement-Politik und den deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag vom 23. August 1939. 

Gemeinsam ist zumeist die Sicht auf die maßlosen Grausamkeiten, ungeheuren materiellen Zerstörungen und die vielen Millionen Opfer des Krieges. Ganz entschieden abzulehnen sind alle Versuche, die Ursachen des Krieges zu übergehen, Täter zu entschuldigen oder zu vergessen und alle Kriegsteilnehmer gleicher-maßen zu Opfern einer nicht zu verhindernden, weltumfassenden Kriegskatastrophe zu vereinen. 

Die Niederringung des faschistischen Deutschlands und seiner Verbündeten – Japan darf dabei nicht vergessen werden – war das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen der Antihitlerkoalition. 

Jedes Volk ist dabei zu würdigen. Doch zu Recht heben wir als Berliner Freunde der Völker Russlands den entscheidenden Beitrag der Völker der Sowjetunion hervor.
Bei Kriegsende war die Stimme und Stimmung der Völker, auch des deutschen Volkes, eindeutig: Nie wieder Krieg! 

Doch der Friede war brüchig. Bald mehrten sich kleine und große Kriege. Auch der jahrzehntelange „kalte“ Krieg forderte große Opfer. Ein „heißer“, dritter Weltkrieg blieb der Menschheit bis heute erspart, und dies muss so bleiben. 

Doch auch die „kleinen“, mit scheinheiligen, patriotischen Umschreibungen geführten Kriege dürfen nicht hingenommen werden.
Jeder sollte mit dem Blick zurück und in Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren sagen und dafür eintreten: Nie wieder Krieg!

Prof. Dr. Horst Schützler, Historiker

Pragmatismus und Realismus in der Außenpolitik Russlands in Europa

Neue Chancen, aber auch Bedrohungen erfordern eine realistische Analyse der Sicherheitspolitik in Europa. Der Föderationsrat der Russischen Födera-tion wendet sich in diesem Zusammenhang aus An-lass des 70. Jahrestages des Beginns des 2. Welt-krieges mit einer Erklärung an die Weltöffentlich-keit. Darin heißt es, „ … dass in Verfolgung eigener Ziele die machtausübenden politischen Kräfte in einigen einflussreichen europäischen Staaten bis zum Beginn des 2. Weltkrieges Widerstände gegen die Schaffung eines wirksamen Systems der kollek-tiven Sicherheit errichteten. Aber sowohl damals wie auch heute war und ist ein solches System ohne Teilnahme der UdSSR, ohne Russland undenkbar.“

Realismus in einer Analyse der russischen Außen-politik erfordert in meinem Verständnis außer der Wahrhaftigkeit in der lebensnahen Berücksichtigung von Einzelfragen ebenso Wahrhaftigkeit in der Dar-stellung typischer Verhaltenslinien in typischen Situationen.

Die UdSSR und Russland waren seit dem 1. Welt-krieg ständigen Bedrohungen und Angriffen ausge-setzt. Der Sieg über Hitlerdeutschland und der Kalte Krieg kosteten die Völker Russlands riesige Verlus-te an Menschenleben und materiellem Wohlstand. Die Hoffnung auf gegenseitiges Vertrauen und gute Nachbarschaft mit Westeuropa erfüllte sich mit den westeuropäischen Konzeptionen von Privatisierung und Demokratie im Verständnis eines sehr großen Teils der Bevölkerung Russlands nicht. Wladimir Putin appellierte bereits zum Beginn seiner ersten Legislaturperiode in seiner Rede vor dem Bundes-tag in Berlin, alte Stereotype zu überwinden und zum gegenseitigen Nutzen eine langfristige zuver-lässige Zusammenarbeit aufzubauen. Dieser Aufruf wurde jedoch von der politischen Klasse nicht als große Chance besonders für Deutschland aufge-nommen. Bei allen Fortschritten in den Wirtschafts-beziehungen standen in Deutschland die bedin-gungslose Loyalität gegenüber der westlichen Füh-rungsmacht USA sowie eine unbedingte Priorität der Wünsche der EU im Vordergrund. Häufig wurden dabei eigene nationale Sicherheitsinteressen zurückgestellt. Schlimme Beispiele dafür waren Aktivitäten für die Ostausdehnung der NATO, bis hin zur Entsendung von Koordinierungsoffizieren in die Ukraine und nach Georgien. Selbst wenn solche Handlungen pragmatisch gesehen Deutschland in den internationalen Beziehungen kurzfristige Vor-teile gebracht haben sollten, kann Konfrontation mit Russland Deutschland nur schaden.

Nach dem Sieg über Hitlerdeutschland und seine Vasallen verurteilte die zivilisierte Welt sowohl die ungeheuren Verbrechen gegen die Menschlichkeit als auch die Vorbereitung und Führung von An-griffskriegen. Die UNO wurde gegründet, um im Interesse der Völker der ganzen Welt Konflikte ge-meinsam mit politischen Mitteln zu lösen. Erklärun-gen, die Ressourcen in Sibirien gehörten allen Län-dern, die Sowjetunion hätte an der Entstehung des 2. Weltkrieges gleiche Schuld wie Nazideutschland, rufen in Russland verständliche Empörung hervor. In der Erklärung des Föderationsrates heißt es des-halb zu Letzterem: „Schritte, die auf eine Revision der Geschichte gerichtet sind, enthalten weitgehen-de politische Ziele, die auf eine Veränderung des entstandenen Systems der internationalen Beziehun-gen sowie auf die Entstehung neuer Spannungsher-de zwischen den Völkern und Staaten des europä-ischen Kontinentes gerichtet sind.

Das steht im Widerspruch zu den grundlegenden Prinzipien der internationalen Beziehungen sowie den Interessen der Sicherheit und globalen Stabili-tät.“ Bei seinen Bemühungen um europäische Si-cherheit orientiert Russland realistisch auf langfris-tige wirtschaftliche und wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit mit Westeuropa und besonders mit Deutschland.

Langfristige Vereinbarungen über die Lieferungen von Erdgas und Erdöl, für den gemeinsamen Auf-bau einer effektiven Energieversorgung und strate-gischer Transportwege, schaffen Stabilität und hö-here Effektivität für alle beteiligten Länder.

Russland erwartet natürlich für notwendige riesige Investitionen zuverlässige langfristige Abnahmega-rantien. Sollten vertrauensbildende Vereinbarungen mit Westeuropa verhindert oder offen gelassen wer-den, könnte Russland auch zu pragmatischen Um-orientierungen auf den asiatischen Markt veranlasst werden.

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise kann durchaus auch solche Wendungen in der Außenpolitik her-vorrufen, die einen raschen unmittelbaren Nutzen für Russland versprechen. Der Präsident der Russi-schen Föderation hat jedoch wie schon Wladimir Putin mehrfach betont, dass Russland eine strate-gische, auf Dauer angelegte Zusammenarbeit mit Deutschland und Westeuropa auf der Basis gleicher Rechte und Pflichten anstrebt.

Die Menschen in Russland haben wie in aller Welt die neuen Initiativen Barack Obamas für die ameri-kanische Außen- und Sicherheitspolitik mit großem Interesse aufgenommen. Dmitri Medwedjew be-grüßte insbesondere seinen Aufruf zu einer Welt ohne Kernwaffen. Gleichzeitig wird in vielen Kom-mentaren in Russland festgestellt, dass keine weite-ren Bedrohungen für Russland geschaffen werden dürfen. Dabei könnten sich Medwedjew und Obama mit ihrem Sinn für Realitäten auch über gemeinsa-me Schritte zur Abwehr weiterer Gefahren verstän-digen. Chancen eröffnen sich für gemeinsame Akti-vitäten gegen die Weiterverbreitung von Massen-vernichtungswaffen, für neue Wege der internatio-nalen Finanzwirtschaft, gemeinsame Handlungen gegen Terrorismus und Rauschgiftschmuggel, für die Bekämpfung von Hunger und Seuchen, für ver-stärkte Aufklärung in der Welt gegen Rassismus und Fanatismus. Russland ist auf diesem Wege durchaus zu pragmatischen Zugeständnissen bereit, wie die Öffnung ihrer Luftkorridore für amerika-nische Militärtransporte nach Afghanistan zeigt.

Ich hoffe, dass Deutschland mit seiner Außenpolitik eine klare Haltung für Verständigung, Freundschaft und Zusammenarbeit mit Russland bezieht.

Deutschland und Russland brauchen einander!

Eugen Neuber


Aufruf

„Geschichten der Freundschaft“

Liebe Mitglieder und Freunde des Vereins, erinnert Ihr euch an Begegnungen und Erlebnisse, ernste, besinnliche und humorvolle, gewöhnliche und un-gewöhnliche, mit Bürgerinnen und Bürgern der Sowjetunion und Russlands, die euch prägten und den Charakter dieser Menschen und eurer Freund-schaft mit ihnen zum Ausdruck bringen?

Dann laden wir euch ein, das Projekt „Geschichten der Freundschaft“ unseres Vereins anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung Deutschlands vom Faschismus im Mai 2010 mitzugestalten. Wir bitten euch um die Niederschrift Eurer Freundschaftser-lebnisse. Denn diese Begegnungen der Freundschaft sollten nicht vergessen und anderen, besonders Jün-geren, mitgeteilt werden.

Unsere Idee ist es, daraus eine repräsentative Sammlung zu erstellen, sie zu drucken und daraus zu lesen, wenn wir im Mai 2010 den Jahrestag der Befreiung begehen.

Wir bitten um die Übergabe Eurer Manuskripte und um entsprechende Fotos.