VERSTÄNDIGUNG     FREUNDSCHAFT     FRIEDEN

            TROIKA

 INFORMATIONSBLATT DER BERLINER FREUNDE DER VÖLKER RUSSLANDS e.V.


Januar 2012



20 Jahre

„Berliner Freunde der Völker Russlands e. V.“

 

Die Erinnerung an „20 Jahre zuvor und danach“ rückt näher.
Am 14. März 1992 beschlossen 124 Mitglieder – darunter auch wir, die Unterzeichnenden – auf einem Außerordentlichen Verbandstag der „Deutsch-Sowjetischen Gesellschaft Berlin“, die aus der in der DDR und Westberlin wirkenden „Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ hervorgegangen war, die Umbenennung der Gesellschaft in „Berliner Freunde der Völker Russlands e. V.“ sowie ein anderes Programm und Satzungsänderungen.
Damit hatte sich unser heutiger Verein neu konstituiert und profiliert; es begann seine Geschichte, auf die wir mit Genugtuung zurückblicken.
Was ist nicht alles zu bedenken und zu erinnern?
Seit seiner Namensgebung hat unser Verein – auch in Kooperation mit anderen und mit der Unterstützung der mit DSF-Mitgliedsbeiträgen gegründeten Stiftung West-Östliche Begegnungen – mehr als 180 Bildungsveranstaltungen – Vorträge, Podiumsgespräche, Symposien, Seminare, Buchvorstellungen, Filmvorführungen, Ausstellungsbesuche, Reiseberichte, Exkursionen – mit über 7000 Teilnehmern über Russland und andere Länder der Sowjetunion zu aktuellen Themen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Geschichte mit zumeist sachkundigen Akteuren in achtungsvoller Atmosphäre durchgeführt. Dazu kommen regelmäßig Führungen in sowjetischen Ehrenmalen und über den russischen Friedhof in Tegel.
Unverzichtbarer Bestandteil unseres Vereinslebens ist die dankbare Teilnahme an den Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über den Faschismus und der Befreiung Deutschlands vom Faschismus jeweils am 8. und 9. Mai. Unsere Arbeitsgemeinschaften Nikolai Bersarin und Sowjetische Ehrenmale sowie entsprechende Publikationen würdigen die sowjetischen Befreier.
Sechs Gruppenreisen von Vereinsmitgliedern nach Russland waren wichtigen Ereignissen und Gedenkstätten des Großen Vaterländischen Krieges gewidmet und führten zu freundschaftlichen Begegnungen, vor allem mit Kriegsveteranen.
In der „Aktion Versöhnung“ konnte in Zusammenarbeit mit der „Liga für russisch-deutsche Freundschaft“ in Moskau mehr als 1300 deutschen Familien Beratung und Hilfe bei der Erlangung von Auskünften über in der Sowjetunion verstorbene bzw. vermisste deutsche Kriegsgefangene gegeben werden.
Jahrelang haben sich mehrere Zirkel und der „Klub der Freunde der russischen Sprache“ mit dem Erlernen der russischen Sprache beschäftigt bzw. sie bei der Begegnung mit der Kultur, Literatur und der Wissenschaft Russlands gepflegt.
Ein viel Kraft und Mittel erfordernder Schwerpunkt unseres Wirkens war die humanitäre Hilfe für notleidende Kinder und Veteranen. Sie war lange Zeit vor allem auf die materielle Hilfeleistung ausgerichtet, ging dann über auf eine finanzielle Hilfe durch Geldspenden für ein Moskauer Krankenhaus und jetzt für ein Kinderheim in Seljony im Gebiet Twer.
Wichtig für den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft war und bleibt unser Informationsblatt „TROIKA“, das über das Leben im Verein Mitglieder und viele Sympathisanten informiert.

Unsere Arbeit hatte jederzeit die freundschaftliche Unterstützung des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur, in dem wir seit unserer Neukonstituierung ein Zuhause gefunden haben, und der Botschaft der Russischen Föderation.
Unser Verein hat so in der deutschen Hauptstadt im Sinne deutsch-russischer Verständigung und Freundschaft unter Mitwirkung vieler Mitglieder, Freunde und Sympathisanten dauerhaft Beachtliches geleistet. Er hat sich öffentliche Anerkennung und Achtung erworben. So soll es auch zukünftig bleiben.

 Glückwunsch und herzlichen Dank allen Mitgliedern, Freunden und Sympathisanten.

 
Horst Schützler, Horst Herrmann, Hermann Sachse


Freundschaftsbande nicht abreißen lassen – Wortmeldungen  zum Vereinsjubiläum

 

Dr. Sonja Striegnitz:

Ziemlich genau erinnere ich mich des Gefühls tiefer Genugtuung und Hoffnung, als ich vom Entstehen unseres Vereins erfuhr. Gedanken und Erinnerung an die Verbundenheit mit Bürgern der Sowjetunion, ein unverzichtbarer Teil meines bisherigen politischen Engagements, lebten also fort in einer Situation, da gewohnte Strukturen wegbrachen, sich Organisationen auflösten, ja die DDR und die UdSSR von der historischen Bühne verschwanden! Es war für mich selbstverständlich, mich dem Verein anzuschließen und in ihm mitzuwirken, aus Überzeugung und mit dem Wissen um geschichtliche Zusammenhänge. Ich finde, unser Verein mit seinem Anspruch und dem darauf gründenden erfolgreichen Wirken in nun schon zwanzig Jahren kann sich sehen lassen. Im Kreise seiner Mitglieder, denen tätige Freundschaft und Solidarität mit den Völkern Russlands genauso am Herzen liegen wie das Bemühen, Kenntnisse über ihre Vergangenheit und Gegenwart zu bewahren, zu mehren und zu verbreiten, fühle ich mich wohl.

 
Cilly Keller:

 Im Nachlass meiner Eltern fand ich das kleine Büchlein „Russisches Elementarbuch“ aus dem Jahr 1920, signiert von meinem Opa, Fernando Fiechter. Das Interesse am Land Tolstois, Lenins und Scholochows – an Russland und der Sowjetunion – muss wohl in meiner Familie liegen. Das Mitgliedsbuch der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (kurz DSF) meiner Mutter weist das Datum 1.9.1949 aus, das meinige 1968. Meine Eltern erzogen mich im Geiste der Freundschaft zu diesem Land, zu seinen Menschen, weckten in mir das Interesse an seiner politischen Entwicklung und seiner so reichhaltigen und interessanten Kultur. Mein Land, die DDR, gab mir die Möglichkeit in Leningrad zu studieren – es wurde meine zweite Heimatstadt. Ich hatte in den fast sechs Jahren Studium die Möglichkeit, das Land zu bereisen und mit den Menschen in ihrer Sprache zu kommunizieren. Ich habe dieses Land und seine Menschen mit ihrer Gastfreundschaft und ihrer großen Seele kennen und lieben gelernt.
Im Januar 2000 bat ich um Aufnahme in den Verein der Berliner Freunde der Völker Russlands – der  Berliner Nachfolgeorganisation der DSF, um aktiv für die Verständigung beider Völker nach meinen Möglichkeiten mit zu wirken.

 
Marga Voigt:

 Wahre Völkerverständigung braucht Freundschaftsarbeit als ein hohes Gut der Friedenserhaltung. Es gibt tausend Gründe, Frieden zwischen Deutschland und Russland zu halten! Ich möchte durch mein Engagement und meine Kenntnisse von Land und    Leuten in der früheren Sowjetunion mit den Vorurteilen – wie Peter Ensikat sie mit seinem Wort von dem „Russen als Gefahr an sich“ auf den Punkt brachte – aufräumen. Das ist nicht leicht, stehen doch den guten Erfahrungen auch die schlechten gegenüber, die deutsche Menschen mit den Russen und russische Menschen mit den Deutschen machten. Wir sollten daraus lernen, behutsam miteinander umzugehen, neugierig aufeinander zu sein und uns in unserer Verschiedenheit zu akzeptieren.

 Dr. Helga Ernst:

 Der „Verein“ gab mir 1993 die Gelegenheit an dem Gedenken zum 50. Jahrestag der Kriegswende in  Stalingrad/Wolgograd teilzunehmen.
Zu Themen und Veranstaltungen erfahre ich seitdem durch den Verein Möglichkeiten in einer noblen Form der „Osterweiterung“ eine andere Diskussionskultur, eine andere Sicht auf das Weltgeschehen, Verbreitung des Wissens über die osteuropäischen Staaten und vor allem Verpflichtung zu Achtung und Respekt vor den Völkern Osteuropas, gerade auch aus historischer Verantwortung heraus.
Ich wünsche auch weiterhin guten Erfolg für diese Arbeit der Völkerverständigung.

 Ferdinand Thun-Hohenstein:

In den fünf Jahren sowjetischer Kriegsgefangenschaft hatte ich begriffen, dass es nie wieder einen Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion geben darf. Als ich 1948 in die Ostzone kam, wollte ich  mich dafür einsetzen und tue dies weiterhin bis heute, dass sich zwischen dem deutschen Volk und den Völkern Russlands freundschaftliche Beziehungen entwickeln und sie in Frieden miteinander leben.                                          
Die geschichtlichen Erfahrungen besagen, dass die Grundlage eines friedlichen Miteinanders ein gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen ist. Darum bemüht sich unser Verein mit vielfachen Aktivitäten wie Vorträgen, öffentlichen Diskussionen, Reisen, Besichtigungen von Gedenkstätten und Friedhöfen wieauch Solidaritätssendungen.                                                                         
Als langjähriges Mitglied unterstütze ich diese, wenngleich ich aus Altersgründen leider nicht mehr sehr aktiv sein kann.

Berichte aus der Vereinsarbeit


Exkursion nach Alexandrowka

 

Am 17. September 2011 – einem sonnigen Herbstsonnabendmorgen – trafen  sich, gutgelaunt, Interessierte unseres Vereins zu einer Exkursion nach Potsdam. Auf dem Programm stand eine Führung durch die russische Kolonie „Alexandrowka“.
Unser Studienreiseleiter, Dr. Herbert Schlomm, empfing uns vor der Kolonie und zog uns gedanklich mit seiner heiteren und nachdenklichen Art sofort in den Bann Potsdams der Jahre 1826 bis 2011.
Er verstand es vortrefflich, Historisches und Aktuelles zu verbinden, und wir lauschten gebannt seinen detaillierten Schilderungen.
Das Dorf „Russische Kolonie Alexandrowka“ liegt im Norden Potsdams. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen ließ es in den Jahren 1826/27 für die letzten zwölf russischen Sänger eines ehemals aus 62 Soldaten bestehenden Chors anlegen.

Das Konzept des Museums „Russische Kolonie Alexandrowka“ wurde nach einer Idee von Dr. Kremer (Bauherr und Stiftungsgründer) erarbeitet. Das Ziel dieser Stiftung besteht darin, die Kolonie als bau- und kulturhistorisches Denkmal dauerhaft als ein Museum zu betreiben und ihm eine sichere Zukunft zu garantieren. Dass dies außerordentlich gut gelungen ist und der damals herrschende Zeitgeist hervorragend eingefangen wurde, zeigt der Bau dieser Siedlung mit großer Weitsicht und Toleranz. Ein begehbares Baudenkmal von 1826 ist das Haus „Nummer 2“. Es wurde im Jahr 2000 nach denkmalpflegerischen Auflagen renoviert und im Erdgeschoss zum Museum (Eröffnung 2005) ausgebaut.
Beeindruckt spazierten wir durch den dazugehörigen Garten des Hauses, Teil der
rekonstruierten Lennéschen Anlage.
Weiter ging es zu Fuß Richtung „Russisch-Orthodoxe Kirche“. Die Kapelle „Alexander Newski“ diente der unweit gelegenen Kolonie als Kirche. Sie wurde gemeinsam mit einem Popenhaus 1826 auf dem Kapellenberg errichtet. Wir warfen einen Blick in das   Innere dieser Gedächtniskirche und bestaunten die reich mit Ölmalereien russischer Künstler geschmückte Ikonostase (hölzerne Bilderwand). Unsere kleine Wanderung führte uns nun zum „Panoramatempel“, einem kleinen von Schinkel um 1800 errichteten Teepavillon in strengen klassischen Formen nach antiken Vorbildern.

Nun erklommen wir „Potsdams schönste Aussicht“, das Belvedere auf dem Pfingstberg. Seit seiner Wiedereröffnung 2001 lädt es seine Besucher zu einem einzigartigen Blick über die Stadt und die umgebende Kulturlandschaft, bis weit nach Berlin hinein, ein. Guter Stimmung, aber inzwischen etwas durstig und hungrig, erreichten wir Kade`s Restaurant „Am Pfingstberg“.
Bei Spezialitäten aus dem Land Brandenburg genossen wir im modernen Panorama-Wintergarten eine hervorragende regionale Küche. Nach einigen heiteren und nachdenklichen Gedichten – liebenswert vorgetragen von Herrn Dr. Schlomm – fiel uns der Abschied von ihm sehr schwer. Am späteren Nachmittag bummelten wir entspannt durch die Innenstadt Potsdams und stellten fest – ja, es hat sich schon wieder erneut viel positiv verändert in dieser wunderschönen Landeshauptstadt von Brandenburg.

Wir danken den Organisatoren dieser perfekt vorbereiteten Exkursion und hoffen, dass Ausflüge im Rahmen unseres Vereins auch in kommenden Jahren weiterhin zur guten Tradition gehören werden.

 
Elke Krüger

 
Tag der Mahnung und Erinnerung 2011

 

Am 11. September waren wir, wie in jedem Jahr, mit unserem Infostand dabei. Bei herrlichem Wetter kamen viele Besucher zu unserem Stand und es gab bei Tee aus dem Samowar und selbstgebackenem Kuchen vielfältige und interessante Gespräche.
Herzlichen Dank allen fleißigen Helfern, die uns bei der Vorbereitung und der Betreuung des Standes tat-kräftig unterstützten und mit der Bereitstellung von Souvenirs, Büchern und köstlichem Kuchen zum guten Erfolg beitrugen.

 
                       Siegfried Hentschel

Franz von Hammerstein

Ein Leben für die deutsch-russische
Verständigung und Freundschaft

 

Menschliche Begegnung und menschliches Verstehen haben immer Vorrang vor politischem Kalkül – so erlebten wir Dr. Franz von Hammerstein seit 1990, als er in den Übergangsjahren der Berliner DSF beratend und unterstützend als Vorsitzender zur Seite stand. Stets förderte er den Gedanken der deutsch-russischen Verständigung und Freundschaft. Immer trat er für Achtung und Toleranz zwischen den Menschen unabhängig von Religion, Rasse und Weltanschauung ein, auch wenn die politischen Verhältnisse zwischen den Staaten Schwankungen und Schwierigkeiten unterliegen. Dies lehrten ihn die eigenen, bitteren Erfahrungen des mörderischen Zweiten Weltkrieges. Über seine Arbeit in der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste fand er den Zugang zur DSF. Leidenschaftlich unterstützte und beförderte er im Rahmen der Stiftung West-Östliche Begegnungen viele große und kleine Projekte der Solidarität und Verständigung mit den Menschen Russlands und Osteuropas.

Franz von Hammerstein starb am 15. August 2011.

In Hochachtung und Wertschätzung seines
Lebens und Wirkens

Die Berliner Freunde der Völker Russlands e.V.