Wir über uns

Russland und Deutschland brauchen einander!

In unserer sehr wechselvollen Geschichte hat es sich immer wieder erwiesen: Wenn beide Staaten in Eintracht leben und in Freundschaft zusammenarbeiten, haben Frieden und Stabilität in Europa die größten Chancen.
Wichtige Grundlage dafür sind heute die nach der Wiederherstellung der deutschen Einheit zwischen beiden Ländern sowie zwischen Berlin und Moskau geschlossenen Verträge.
Sie sind Ausdruck der Entschlossenheit, an die guten Traditionen unserer jahrhundertelangen Geschichte anzuknüpfen, gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit zu pflegen und so den Herausforderungen am Beginn des dritten Jahrtausends gerecht zu werden.


Als gemeinnützigem Verein liegen uns dabei vor allem die Beziehungen der Menschen am Herzen.

Der Verein Berliner Freunde der Völker Russlands e.V. ist parteipolitisch und weltanschaulich unabhängig sowie als gemeinnützig anerkannt.

Wir führen die humanistischen und völkerverbindenden Traditionen deutsch-russischer und deutsch-sowjetischer Freundschaft weiter, fördern Wünsche und Bemühungen nach freundschaftlichen Kontakten und Begegnungen mit den Menschen und Völkern Russlands und unterstützen Bestrebungen nach kultureller, humanitärer, touristischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Zusammenarbeit.
Wir entsprechen den Bedürfnissen nach einem offenen Gedanken- und Meinungsaustausch, nach kulturellen Veranstaltungen, nach besserem kennen lernen von Kultur und Kunst, von Sitten und Gebräuchen der Völker Russlands sowie dem Erlernen und der Pflege der russischen Sprache.

Wir vermitteln - besonders eingedenk der schweren Belastungen, denen die Beziehungen zwischen unseren Völkern in der Vergangenheit ausgesetzt waren - Kenntnisse der Geschichte Russlands und der Sowjetunion sowie der Gegenwart im heutigen Russland.
Wir setzen uns ein für den Erhalt und die Pflege der russischen und sowjetischen Gedenk- und Kulturstätten in Berlin.

Wir treten ein für eine multikulturelle Hauptstadt, in der kein Platz sein darf für Ausländerfeindlichkeit und Rassenhass.

Bei allem achten wir die historischen Erfahrungen, dass Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen unserem Volk und den Völkern Russlands unverzichtbar sind.

Unvergessen ist und bleibt für uns, dass die Sowjetunion mit den anderen Verbündeten der Antihitler-Koalition im Zweiten Weltkrieg siegte, unser Volk von der faschistischen Gewaltherrschaft befreite und ihm die Rückkehr in die Völkerfamilie ermöglichte.


Auszug aus dem Bericht des Vorstandes an die Mitgliederversammlung am 03.03.2002,
gehalten vom Vorsitzenden Herrn Cyrill Pech

Liebe Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Damen und Herren!

In den letzten Wochen habe ich an zwei Veranstaltungen teilgenommen, die sich hauptsächlich mit Tschetschenien befassten, auf der einen redete ein ehemaliger tschetschenischer Vize-Präsident, ein Historiker und jetziger Verbindungsmann zu Präsident Maschadow und auf der zweiten, von unserem Verein veranstalteten, redete der Militärattaché der Russischen Botschaft.
Über letztere Veranstaltung können Sie einen kurzen Bericht in der neuesten Troika lesen, die ab heute verbreitet wird.
Beide Referenten waren, schon von ihrer Dienststellung, aber auch von ihrer Ausbildung her, gebildete, verantwortungsbewußt denkende Männer. Und doch waren ihre Äußerungen über die jeweils andere Seite sehr gegensätzlich, ja vielleicht sogar von Feindseligkeit geprägt. Ich hatte den Eindruck, dass es da kaum Ansätze für eine beide Seiten zufriedenstellende Lösung gibt.
Nun sind aber beide Männer und ihre Völker nach der Selbstbezeichnung unseres Vereins unsere Freunde!
Wenn wir nur eine deutsch-russische oder russländische Gesellschaft wären, wäre es einfacher, aber wir wollen Freunde sein und das nicht nur der Russen, sondern aller Völker Rußlands, also auch der Tschetschenen. Das stellt uns vor eine große Herausforderung und erfordert von uns stärkeres Nachdenken über diese Probleme als von den Mitgliedern irgendeiner neutralen Gesellschaft.
Wir müssen uns also zunächst bewußt machen, definieren, was Freundschaft heißt, was Freundschaft ist.
Von unserer Herkunft her aus der Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft, sind wir da zunächst positiv vorbelastet. Manche machen uns da einen Vorwurf, der sich bei näherem Hinsehen als ein Lob erweist, nämlich dass unsere Freundschaft verordnet war. In einer anderen Richtung gibt es ja in der heutigen Gesellschaft durchaus etwas Vergleichbares, wenn da von uneingeschränkter Solidarität gesprochen wird und davon dass abweichende Meinungen etwa bei Lehrerinnen in Sachsen bestraft werden.
Wir brauchen uns also unserer " verordneten " Freundschaft nicht zu schämen, zumal sie für uns nicht verordnet war, sondern Herzenssache.
Wir müssen aber auch klar sehen, dass sich da etwas verändert hat: Auf beiden Seiten ist nicht mehr eine einheitliche Gesellschaft, sondern eben eine pluralistische. Wir können hier nicht im Einzelnen darstellen, was das heißt, wir merken es schon am oben genannten Beispiel, aber auch an solchen Tatsachen, dass es auf beiden Seiten sehr verschiedene Parteien, Gruppen, Interessen, Ansichten und viele andere verschiedene Gesichtspunkte gibt. Es gibt, wie eine Studie aus der Universität Basel, Schweiz feststellt, in der deutschen Öffentlichkeit heute kein einheitliches Russlandbild. Ja, diese Studie stellt fest, dass das Russlandbild in Deutschland sich verschlechtert hat.
Nach der Perestrojka-Euphorie und einer Phase des Mitleids und Wohlwollens, die für die Bürger Russlands auch nicht immer angenehm war, folgte eine Ernüchterung und Enttäuschung, die sich gegenwärtig in einer Imageverschlechterung äußert. Die Studie stellt fest, dass das frühere Feindbild Russland in Wirklichkeit gar nicht zerfallen ist, sondern sich nur gewandelt hat.
Wir selbst kennen aus unserer Arbeit und unseren Erfahrungen genug Trauriges, Unangenehmes, Negatives und Abzulehnendes. Aber als Freunde der Völker Russlands stellen wir das nicht nur fest, wir verdrängen es auch nicht, sondern es tut uns weh, wir leiden mit unseren Freunden mit, unsere Freundschaft ist unsere Passion, unsere Leidenschaft und das beinhaltet schon vom Wortsinn her eben auch Leiden!
Machen wir uns noch einmal bewußt, was Freundschaft ist: Sie ist eine idealisierende Kraft, die von der Liebe getragen wird, sie ist personal und deshalb nennen wir uns Freunde der Völker Russlands, Kameradschaft ist zweckgebunden, Freundschaft nicht. Es geht also auch um zwischenmenschliche Beziehungen, um geistige Kommunikation, die beide aus freier Zuwendung hervorgegangen sind. Dietrich Bonhoeffer hat einmal aus dem Gefängnis geschrieben: " Die Freundschaft gehört in den Bereich der Freiheit, sie ist unser kostbarstes Gut." Weil Freundschaft das alles ist, ist sie natürlich auch ein Gefühl, aber das bedeutet nicht, dass ich nur so reagiere, was man " gefühlsmäßig" nennt, sondern wenn sich Gefühl und Vernunft verbinden, dann gibt es Lösungen.
Nachdem wir uns nun bewußt gemacht haben, was Freundschaft heißt, müssen wir das nun konkretisieren. Lassen Sie es mich zunächst an dem Beispiel Tschetschenien tun, mit dem wir angefangen haben: Was ist zu tun angesichts so auseinanderfallender Standpunkte?
Ich schlage fünf Schritte vor, die ich mit den Stichworten informieren, analysieren, differenzieren, entscheiden und tolerieren bezeichnen möchte.
Wir informieren uns zunächst umfassend, vielseitig. So habe ich es auch in der DDR schon getan, erst die Aktuelle Kamera, dann die Tagesschau und Tagesthemen. Jetzt eben die verschiedenen Medien, die über Russland berichten. Allerdings muß schon hier eben die Tendenz der deutschen Medien beachtet werden, lieber negativ über Russland zu berichten und deshalb sind gerade wir verpflichtet, auch russische, dort auch verschiedene Quellen und andere Informationen einzubringen. Schon das eine gewaltige Aufgabe!
Dann analysieren wir das Problem. Das bedeutet, dass ich nicht nach Gefühlen, nach Sympathie und Antipathie entscheide, sondern mich eben bemühe, alle Informationen einzubeziehen. Das kann im Einzelfall schmerzhaft sein. Bei Tschetschenien ist mir nicht ganz wohl, dass die russische Regierung ganz auf der amerikanischen Anti-Terrorismus-Welle schwimmt. Ich würde mir da schon etwas mehr Differenzierung wünschen, womit wir beim nächsten Schritt wären. Pauschalurteile und emotionale Schritte helfen nicht weiter, Differenzierung ist ein wichtiges Hilfsmittel, um ein Problem einigermaßen gerecht zu lösen.
Aber gerade die Differenzierung kann dann dazu führen, dass ich den nächsten Schritt gehen muß, nämlich sich zu entscheiden für eine bestimmte Meinung oder Ansicht. Das bedeutet, damit es nicht zum Bruch unter uns und zum weiteren Krieg dort kommt, einen letzten Schritt, nämlich zunächst, bis eine endgültige Lösung da ist, die andere Meinung, Ansicht und den anderen Standpunkt zu tolerieren . Das ist schwer, aber es gibt keinen anderen Weg!
Noch einige Konkretisierungen: Freundschaft zu den Völkern Russlands bedeutet auch, dass wir in Bezug auf die Vergangenheit, besonders auf die Sowjetunion, sehen, dass nicht alles gut war, was damals geschah und dass wir das auch benennen, aber es bedeutet auch, dass wir fest dafür einstehen, dass nicht alles schlecht war.
Freundschaft heißt konkret auch, dass einige von uns sich mehr zu den Kommunisten, andere zu anderen Parteien oder Personen hingezogen fühlen. Ich bin nicht mit allem einverstanden, was Präsident Putin macht, aber ich glaube, dass er im Augenblick für Russland der richtige Mann ist und deshalb stehe ich zu ihm.
Lassen Sie mich noch etwas dazu sagen, was Freundschaft in den Innenbeziehungen unseres Vereins bedeutet.
Der Vorstand wird Sie nachher bitten, ein Mitglied abzuwählen. Da wird vielleicht mancher sagen: Was nützen da all' die schönen Worte, wenn sie sich da nicht einmal im Vorstand verstehen? Ich suche die Antwort in dem, was wir oben gesagt haben, dass Freundschaft etwas Personales ist und im Personalen kann es Umstände geben, die eine teilweise Trennung nötig machen. Ich kann durchaus von einem Menschen sagen, dass er gut ist und viel Gutes vollbringt, aber er hat auch Eigenschaften, die es mir unmöglich machen, zu ihm eine Nähe zu halten, Nähe und Distanz ist ein Problem der zwischenmenschlichen Beziehungen und eine Trennung kann heilsamer sein als ein aus falschen Gründen weitermachen, wo es im Praktischen doch nicht geht.
Aber zunächst müssen wir uns alle, gerade weil wir Freunde sein wollen, darum bemühen, auch uns nicht passende Meinungen und Ansichten zu tolerieren und gemeinsam nach Lösungen suchen.
Lassen Sie mich noch einmal unsere Aufgabe zusammenfassen:
Untereinander tolerant sein gegenüber verschiedenen Meinungen, nicht dem ganzen Verein seine eigene Meinung aufzwingen wollen, trotz mir nicht gefallender politischer Entwicklungen in Russland die Menschen dort zu lieben, und das nicht nur gefühlsmäßig, sonder konkret helfend. Das bedeutet auch, dass wir mit helfen, den Antikommunismus und Antislawismus, die noch immer im Westen weit verbreitet sind und oft unbewußt das Russlandbild bestimmen, aufzudecken und zu bekämpfen Liebe Freundinnen und Freunde, meine Damen und Herren! Diese Gedanken sind meine Überlegungen zu diesem Thema und ich beanspruche keineswegs Unfehlbarkeit und Vollständickeit, sondern möchte dies als Anregung verstehen, weiter über dieses Problem nachzudenken.
Lassen Sie mich nun zur zweiten Aufgabe übergehen, die ich als Vorsitzender habe, zur Arbeit des Vorstandes. Hier möchte ich zunächst allen Freundinnen und Freunden im Vorstand und im Verein danken für ihre so engagierte Arbeit, dass ich mich manchmal gefragt habe, wozu überhaupt ein Vorsitzender nötig ist. Ob das die Vorbereitung und Durchführung der Sitzungen des Vorstandes ist, die Herstellung der Troika, die Betreuung unseres Standes beim Tag der Begegnung vor dem Roten Rathaus, unsere humanitäre Arbeit, unsere Veranstaltungen, die Mitgliederbetreuung, unsere Begegnungsarbeit, die Betreuung der Denkmäler, die Bemühungen um den Aufbau einer Jugendarbeit und nicht zuletzt der ganze finanzielle Bereich, all das wird mit sehr großem Engagement und ehrenamtlich erledigt.
Ich danke allen sehr herzlich für diese Arbeit.
Wir werden nachher noch dazu Einzelberichte hören. Aber nicht nur Mitglieder des Vorstandes, sonder auch andere Mitglieder unseres Verein haben viel geleistet und auch ihnen möchte ich sehr herzlich danken.
Nun einige Einzelangaben: Der Vorstand hat regelmäßig jeden Monat getagt, meistens ungefähr vier Stunden lang. Die Protokolle der Sitzungen liegen vor. An ihnen ließe sich manches kritisieren, aber die Arbeit ist wichtiger als der Papierkram! Bei diesen Sitzungen wurden alle oben genannten Aktivitäten besprochen und vorbereitet. Besonders unser Freund Horst Herrmann, der nicht Mitglied des Vorstandes ist, hat sich des Themas Ehrenbürgerschaft Bersarin und Achter Mai als Gedenktag der Befreiung angenommen, wofür wir ihm sehr dankbar sind. Wir hoffen, dass unter der neuen politischen Konstellation in Berlin Bersarin wieder in die Liste der Ehrenbürger Berlins aufgenommen wird und dass der achte Mai zum Gedenktag wird ähnlich dem Holocaust-Gedenktag.
Der neue Vorstand hatte im vorigen Jahr ein sehr gutes Gespräch mit dem Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland, Herrn Krylow. Aus Anlass des Besuches von Präsident Putin in Berlin haben wir ihm einen Brief übergeben lassen, in dem wir ihm für seine Arbeit unsere Unterstützung zusichern, unseren Verein kurz vorstellen und um Aufhebung bürokratischer Hürden bei der humanitären Hilfe bitten.
Unser Verein hat einen Arbeitsplan für das letzte Jahr und eine Arbeitsordnung. Meine obige Aufzählung ist zugleich der Nachweis, dass dieser Arbeitsplan erfüllt wurde und wir haben ihn für das kommende Arbeitsjahr fortgeschrieben, über die Arbeitsordnung, die auch im Entwurf vorliegt, wird der Vorstand in seiner Sitzung im April beraten. Erwähnen möchte ich noch, dass Herr Gerhard Noack eine Jugendarbeit hier im Haus begonnen hat. Er hat uns berichtet, dass 13 Jugendliche zu einer Gruppe gehören, die er betreut und der Vorstand unterstützt bis auf weiteres diese Arbeit und ist Herrn Noack dankbar für diese Initiative. Es waren auch zu unseren Veranstaltungen junge Leute aus dem akademischen Bereich, die auch Interesse an unserer Arbeit gezeigt haben. Beides zusammen läßt uns auf eine Verjüngung unseres Vereins hoffen.
Damit Sie wissen, welche Arbeitsgebiete der Arbeitsplan enthält, möchte ich Ihnen die Unterpunkte aufzählen: Öffentliche Veranstaltungen, Vermittlung und Pflege der russischen Sprache, Humanitäre Hilfe, Deutsch-russische Begegnungen, Betreuung von Gedenkstätten, Zusammenarbeit mit Verbänden und Organisationen, Informationstätigkeit, Mitgliedergewinnung, Finanzarbeit, Vorstandstätigkeit.
Wir arbeiten weiter aktiv im Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften mit und denken auch über eine Vernetzung aller Berliner Organisationen nach, die Beziehungen zu Russland haben.